Afghanistan: Deutschlands Außenpolitik ist von Romantik geprägt

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Der Afghanistan-Einsatz ist politisch gescheitert und zeigt schonungslos die Schwächen deutscher Sicherheits- und Außenpolitik auf. Er zeigt auch die fehlende Wertschätzung gegenüber der Truppe, sagt Gregor Golland, Oberstleutnant der Reserve und NRW-Landtagsabgeordneter.

Militärisch war die 20-jährige Afghanistan-Mission ein Erfolg. Die Ziele, Kampf gegen die Urheber der Terroranschläge vom 11. September 2001 und andere Terrorgruppen in Afghanistan, Absicherung von Wiederaufbau und von staatlichen Strukturen sowie die Ausrüstung und Ausbildung einer eigenen afghanischen Armee, haben wir mit unseren Verbündeten erreicht.

Die Bundeswehr hat ihren Auftrag erfüllt.

Politisch jedoch ist die Mission gescheitert: Es ist nicht gelungen, Afghanistan zu einem demokratischen Land nach westlichem Vorbild, mit Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Frieden, Freiheit und Prosperität etc. umzuwandeln.

Ursächlich dafür ist unter anderem der – besonders in Deutschland ausgeprägte – gute, besser naive Glaube, alle Menschen sollten und wollten so leben wie wir.

Die historischen, politischen, wirtschaftlichen, ethnischen, kulturellen und religiösen Hintergründe und Prägungen des Landes und seiner Menschen wurden und werden dabei häufig nicht wahrgenommen, nicht verstanden, ausgeblendet oder ignoriert. Insbesondere die Rolle und Wirkung eines fundamentalistischen Islams steht unseren Werten und unserer Art zu leben diametral entgegen.

Evakuierung aus Kabul mit einer Bundeswehr-Maschine.  © dpa

Deutschlands Außenpolitik ist vielfach von romantischen Vorstellungen geprägt. Sie ist häufig eine Melange aus selbstgerechtem Glauben an die eigene moralische Überlegenheit und selbstverleugnender Interessenlosigkeit. Es fehlt eine Strategie, welche außenpolitischen Ziele Deutschland verfolgt.

Wir erinnern uns: Bundespräsident Horst Köhler ist seinerzeit unter anderem deshalb zurückgetreten, weil er die Artikulierung deutscher Interessen in der Welt angemahnt hatte. Absurd.

Man stelle sich das einmal in Frankreich vor: Ein französischer Präsident müsste zurücktreten, wenn er keine französischen Interessen definieren und durchsetzen könnte.

Heiko Maas © picture alliance/dpa

Ich weiß nicht, wie oft der jetzige Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) seine tiefe Betroffenheit zum Ausdruck gebracht hat. Immer verbunden mit schärfster Verurteilung schlimmer Entwicklungen weltweit und der eindringlichen Mahnung, sich doch nun bitte endlich an Recht und Moral zu halten. Was hat es tatsächlich gebracht? Welche Ziele hat Außenminister Maas in den vergangenen Jahren erreicht? Vermutlich ist den Taliban und anderen bei diesen Worthülsen vor Angst oder Lachen die Kalaschnikow aus der zitternden Hand gefallen.

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