Gastbeitrag von Joschka Fischer : Die EU ist keine Weltmacht

 © dpa

Die EU steht geopolitisch vielen Risiken und Gefährdungen gegenüber, bleibt jedoch abhängig von den USA. Deshalb soll mehr "strategische Autonomie" her. Wieso man sich dafür vorerst um die Nachbarschaft kümmern sollte, erläutert Ex-Außenminister Joschka Fischer.

Angesichts der weltpolitischen Veränderungen wird in der EU gegenwärtig viel über „strategische Autonomie“ und dergleichen diskutiert.

Eine stärkere Sicherheits- und Verteidigungspolitik soll es geben und dabei denkt man in Brüssel und manchen Hauptstädten, wie zum Beispiel in Paris, an den Indopazifik, eine überaus wichtige Weltregion im 21. Jahrhundert wegen der Achsenverlagerung der Weltpolitik und Weltwirtschaft weg vom Nordatlantik hin zu dieser Region.

Der Indopazifik liegt weit weg von Europa.

Auch wenn sich Frankreich dort noch mit seinen überseeischen Besitzungen strategisch involviert sieht, so gilt dasselbe gewiss nicht für Europa.

Und auch Frankreich ist keine pazifische Macht in der Gegenwart, denn dazu reicht seine Kraft nicht mehr aus, wohl aber sein Anspruch, sondern es handelt sich dabei nur noch um Erinnerungen an längst vergangene Zeiten im 18. und 19. Jahrhundert. Wenn es tatsächlich Ernst würde, könnte Frankreich diese Besitzungen im fernen Pazifik gegen eine pazifische Macht mit aggressiven Absichten nicht verteidigen. Es befände sich vielmehr in derselben Lage wie Großbritannien gegenüber Japan im Zweiten Weltkrieg, als es völlig von der pazifischen Macht der USA abhängig war.

Weiterlesen?Join ThePioneer!

Werden Sie jetzt Pioneer und erhalten Sie Zugang zu allen journalistischen Inhalten und unserem Medienschiff ThePioneer One.

Ich komme an Bord

Schon Pioneer?

In der Mitgliedschaft enthalten
Lädt...