Gastbeitrag von Dr. Henning Beck : Die Psychologie der Pandemie

 © ThePioneer

Bei der Bekämpfung des Coronavirus wiederholen wir die gleichen Fehler wie vor einem Jahr. Warum gelingt es uns nicht, aus der Pandemie herauszukommen? Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck über irrationales Verhalten in der Corona-Pandemie.

Wenn der zukünftige Bundeskanzler Olaf Scholz im Fernsehen bei „Joko & Klaas“ darum wirbt, sich impfen zu lassen, muss die Lage ernst sein. Vor einem Jahr war die Lage wenig besser, doch schien damals zumindest ein Silberstreif am Horizont zu sein: Einmal noch Zusammenreißen zu Weihnachten, dann steht mit der Impfung ein „Ausweg aus der Pandemie“ bereit.

Mittlerweile ist es „mindestens Fünf nach Zwölf“, wenn nicht gar „halb Eins“, der Impferfolg lässt auf sich warten und es werden wieder die Mittel zur Pandemiebekämpfung angewendet, die uns schon seit einem Jahr bekannt sind: Böllerverbot zu Silvester, Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote in Altenheimen, Obergrenzen für Veranstaltungen und leere Fußballstadien. Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch.

Mit der Regelmäßigkeit einer ungeliebten Jahreszeit wiederholen wir die gleichen Fehler in der Pandemiebekämpfung. Da unterschätzen wir wieder die exponentielle Ausbreitung des Virus, schaffen erst die kostenlosen Tests ab, um sie dann wieder einzuführen, als man sieht, dass es mit dem freiwilligen Impfen doch nicht so gut klappt. Und wie vor einem dreiviertel Jahr stehen nun wieder die Menschen an Impfstellen Schlange, weil man rechtzeitig vor dem Winter die Impfzentren zum Boostern dichtgemacht hat.

Lädt...