Gastbeitrag von Joseph E. Stiglitz: Erfolgreiche Deglobalisierung

 © The Pioneer

Die diesjährige Tagung des Wirtschaftsforums in Davos hat die Schwächen der Globalisierung im wirtschaftlichen und politischen Kontext deutlich gemacht. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz erläutert, wie es dazu kommen konnte.

Die erste Tagung des Weltwirtschaftsforums nach über zwei Jahren unterschied sich deutlich von den vielen früheren Konferenzen in Davos, an denen ich seit 1995 teilgenommen habe.

Das lag nicht nur daran, dass der gleißende Schnee und der klare Januarhimmel freiliegenden Skihängen und trübem Mairegen Platz gemacht hatten. Vielmehr befasste sich ein Forum, das traditionell als Fürsprecher der Globalisierung aufgetreten war, diesmal in erster Linie mit deren Fehlschlägen: zerbrochene Lieferketten, Inflation bei den Energie- und Nahrungsmittelpreisen und einem System zum Schutz geistigen Eigentums, das Milliarden von Menschen den Zugang zu COVID-19-Impfstoffen verwehrte, nur damit ein paar Pharmaunternehmen Milliarden an zusätzlichen Profiten einstecken konnten.

Zu den vorgeschlagenen Reaktionen auf diese Probleme gehören die Rückholung der Produktion (Reshoring) oder ihre Verlagerung in befreundete Länder (Friendshoring) sowie die Umsetzung „industriepolitischer Maßnahmen zur Steigerung der Produktionskapazitäten von Ländern“.

Vorbei sind die Tage, als alle auf eine Welt ohne Grenzen hinzuarbeiten schienen; plötzlich wird allen bewusst, dass zumindest gewisse nationale Grenzen für die wirtschaftliche Entwicklung und die Sicherheit zentral sind.

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