Frankreich ist ein Nachbarstaat Australiens. Das muss eingangs in Erinnerung gerufen werden, denn diese geografische Gegebenheit wird in der deutschen Diskussion um den geplatzten Rüstungsdeal zwischen beiden Ländern gerne ignoriert.
Rund 1,5 Millionen französische Staatsbürger leben in der indo-pazifischen Region: Im Indischen Ozean auf den Inseln La Réunion und Mayotte, im Pazifik in Neukaledonien und Französisch-Polynesien. 7000 französische Soldaten sind dauerhaft im Indo-Pazifik stationiert und tragen zur Sicherung der zweitgrößten ausschließlichen Wirtschaftszone der Welt bei.
Insgeheim versteht Frankreich den australischen Kurswechsel
Dass nun keine französischen U-Boote an Australien geliefert werden, ist auch deshalb weit mehr als nur eine Niederlage für die französische Rüstungsindustrie. Die französische Naval Group (ehemals DCNS) hatte 2016 auch den deutschen Mitbewerber Thyssen-Krupp Marine Systems ausgestochen. Die Einigung zugunsten der Franzosen wurde als „strategische Hochzeit“ und eine Säule der französischen Strategie im Indo-Pazifik gefeiert. Die zweite Säule dieser Strategie gründet auf einem Rüstungsdeal mit Indien von 2015, der die Lieferung französischer Kampfjets im Wert von acht Milliarden Euro vorsieht. Nun ist eine Hälfte dieser auf mehrere Jahrzehnte angelegten Strategie weggebrochen.
Eine Infografik mit dem Titel: Frankreichs Überseegebiete
Eine einflussreiche Macht auf den Weltmeeren
Dass Australien sich mit dem Abkommen mit den USA und Großbritannien (AUKUS) traditionellen Verbündeten zuwendet, sorgt in Frankreich für großen Ärger. Wie beim Geheimdienst-Bündnis Five Eyes, so erscheint es vielen Beobachtern in Paris, ist man aus der Anglosphère ausgeschlossen.
Doch tatsächlich können viele Franzosen die australische Entscheidung bestens nachvollziehen.
Seit der Unterzeichnung des U-Boot-Deals hat sich die Situation im Pazifik spürbar verändert.