Energiekrise: In der Atomdebatte regieren die Reflexe der Vergangenheit

Ursprünglich sollten die letzten drei AKW in Deutschland mit dem Jahresende abgeschaltet werden. Jetzt flammt mit der Energiekrise auch die Atomdebatte wieder auf. Wie sich die Debatte verändert hat und was bei einer Laufzeitverlängerung bedacht werden muss, analysiert Frank Uekötter.

Es war in den vergangenen Jahren still geworden um die Atomkraft. Das Thema schien politisch tot, seit der Bundestag nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima mit breiter Mehrheit den Atomausstieg beschloss. Inzwischen sind nur noch drei Reaktoren am Netz, aber diese sind seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wieder im Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit. Nach sechs Monaten kann man eine erste Bilanz der neuen Atomdebatte versuchen.

Sie zeigt eine Diskussion, die viel mit den Beißreflexen der Vergangenheit zu tun hat und wenig mit den aktuellen Herausforderungen.

1979: Zahlreiche Demonstranten ziehen aus Protest gegen eine Anlage zur Wiederaufbereitung von Brennstäben und ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Gorleben durch die Innenstadt von Hannover. © dpa

Die Kernenergie wurde in den siebziger Jahren zum Gegenstand einer hitzigen öffentlichen Debatte, in der sich die neuen sozialen Bewegungen als neue politische Kraft präsentierten.

Der Kampf gegen Atomkraftwerke war auch ein einigendes Band für die neue Partei Die Grünen, die derlei in ihren Anfangsjahren gut gebrauchen konnte.

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