Gastbeitrag von Christian Suttner: Investmentrisiko SPAC?

Der SPAC-Markt (Special Purpose Acquisition Companies) erobert langsam aber sicher auch die europäische Finanzwelt. Doch in den USA ist der erste Hype schon abgeklungen. Denn was zuerst nach einem einfachen Börsengang aussieht, birgt nicht zu unterschätzende Risiken für Anleger.

SPACs sind schon seit längerer Zeit bei Investoren beliebt und haben seit 2019 zu einer Art Goldrausch geführt. Nach wenigen Milliarden Dollar pro Jahr explodierten SPAC Investitionen förmlich auf $83 Milliarden in 2020 – fast doppelt so viel wie in den 8 Jahren zuvor zusammengenommen. 2021 könnte sich dieser Wert nochmals verdoppeln.

Viel Geld für ein bis dahin eher seltenes Anlagevehikel – der letzte SPAC Deal in Deutschland liegt über 10 Jahre zurück. Was also ist ein SPAC genau?

Die Abkürzung steht für Special Purpose Acquisition Company, also in etwa “Akquisitionsfirma für spezielle Zwecke“. Dabei handelt es sich um eine börsennotierte Firma, die noch gar kein operatives Geschäft betreibt und nur gegründet und mit Geld ausgestattet wurde, um sie mit einer anderen Firma zu verschmelzen, die noch nicht an der Börse notiert ist. Ein leerer Börsenmantel also, der einem anderen Unternehmen an die Börse hilft. Dadurch kann der Zielfirma indirekt ein Börsengang mit Kapitalzuführung ermöglicht werden, den diese selbst nicht hätte direkt durchführen können, weil sie die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang nicht erfüllt. Die ursprüngliche Idee war es, so kleine Firmen und Startups an die Börse zu bringen.

Ein SPAC-Initiator schafft eine Mantelgesellschaft, stattet diese mit Eigenkapital von Investoren aus und bringt den Mantel an die Börse. Er bewirbt die Mantelgesellschaft mit dem Versprechen, eine hochinteressante Firma zu erwerben. Die Spekulanten kaufen Aktien an diesem Mantel, typischerweise für 10 Dollar, ohne eine Ahnung zu haben, welches Unternehmen später mit ihrem Geld gekauft wird.

Der SPAC-Initiator hat zwei Jahre Zeit, eine passende Firma für den Börsenmantel zu finden. Diese Aufgabe übernimmt der SPAC-Manager. Sobald dies geschehen ist, wird die Transaktion angekündigt und der Merger-Prozess inklusive Due Diligence und Verhandlungen zum Übernahmevertrags eingeleitet. Es folgt der De-SPACing-Prozess, bei dem die Investoren entscheiden dürfen ob sie mit der Übernahme der Firma einverstanden sind. Nehmen die Investoren den Vorschlag an, fusioniert die Zielfirma mit dem bereits börsennotierten SPAC und ist damit ihrerseits plötzlich an der Börse. Investoren, die dem Kauf nicht zustimmen, erhalten Ihr Geld mit Verzinsung zurück. Dadurch erhalten die SPAC-Investoren letztlich Anteile an der Zielfirma.

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