Kindesmissbrauch – ein nicht bewältigtes Problem

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Ein dunkler Schatten fällt auf die katholische Kirche nachdem die Dimensionen der Missbrauchsfälle bekannt werden. Wie begegnet man dem Problem – in der Kirche, aber auch in der Politik und der Gesellschaft?

Systematische Vertuschung, Verschleppung und Lügen dokumentiert das Gutachten über Versäumnisse der katholischen Kirche von 1945 bis 2019. 497 Opfer und 235 Täter, darunter 173 Priester sind die vorläufige Bilanz des Gutachtens zum „Sexuellen Missbrauch Minderjähriger“ in der Erzdiözese München und Freising.

Die Kardinäle Marx und Wetter sowie Kardinal Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt sind verstrickt, haben nicht gehandelt.

Für die evangelische Kirche kann es nicht beruhigen, dass es in ihren Reihen nicht annähernd so viele Fälle gibt. Viele Menschen unterscheiden nicht zwischen den beiden Kirchen. „Die Kirche“ verliert an Vertrauen. Und da fällt auch ein Schatten auf die evangelische Kirche.

Reinhard Kardinal Marx hat in einer Pressekonferenz „moralische Verantwortung“ übernommen, die Kirche als „Ort des Unheils“ bezeichnet, sich entschuldigt und Reformen angekündigt. Aus dem Amt will er sich jedoch nicht zurückziehen, obwohl er versicherte „nicht am Amt zu kleben“. Welche Reformen er konkret meint, sagt er nicht. Sind es die katholische Sexualmoral, das kirchliche Arbeitsrecht, der Umgang mit Queeren, das Zölibat oder die Rolle der Frauen? Die Konkretisierung bleibt sein Geheimnis.

Sind mit diesen und vergleichbaren Entschuldigungsritualen die vielen Verfehlungen vom Tisch?

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