Gastbeitrag von Ines Hölter: Kommunikation in postfaktischen Zeiten

Gute Kommunikation muss gelernt sein – gerade wenn es darum geht, den Gegenüber von seinem eigenen Argument zu überzeugen. Doch gerade in der Politik werden oftmals manipulative Taktiken genutzt, die an die emotionale Ebene appelliert. Sprechtrainerin Ines Hoelter erläutert diese.

Was bedeutet Kommunikation? Und vor allem, was bedeutet sie in postfaktischen Zeiten? Kommunikation kommt vom lateinischen „communicare“ und bedeutet „mitteilen, teilhaben lassen“. Das Wesen der Kommunikation beruht auf einem zunächst wertfreien Austausch an Informationen.

Wenn wir „Information“ unter der Idee „Wissen, Erkenntnis, Erfahrung und Empathie“ zusammenfassen, dann verstehen wir, dass Kommunikation auf einem Austausch dieser – unterschiedlichen – Erfahrungen beruhen sollte. Austausch bezeichnet ein Geben und Nehmen. Die Idee von Kommunikation ist also ein Verlassen der eigenen, gefestigten Vorstellungen mit dem Ziel, mein Gegenüber zu verstehen; Erkenntnisse auszutauschen; und ggf. neue Erkenntnisse zu erlangen.

Dazu benötige ich die Bereitschaft, mein Gegenüber als gleichwertig, wertvoll, interessant und als Bereicherung anzusehen. Ich benötige die Offenheit, den Austausch als eine Möglichkeit zu betrachten, mich nicht nur mitzuteilen, sondern auch zuzuhören und zu lernen. Der Grundgedanke dabei: Jeder Mensch weiß mindestens auf einem Gebiet mehr als ich.

 © imago

Doch was erleben wir in diesen postfaktischen Zeiten? Was sehen wir im Fernsehprogramm, in den sogenannten „Talkshows“. Evident ist, dass es hier nicht um einen interessierten Austausch von Ansichten geht, bei dem man sein Gegenüber als Bereicherung ansieht, von ihm lernen möchte. Es geht vielmehr um ein Besiegen. Das Niederreden des anderen Standpunkts.

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