Russland-Ukraine-Konflikt: „Krieg in Sicht“

Unter Putin ist Russland zu einer revisionistischen Macht geworden ist, die nicht mehr davor zurückschreckt mit militärischer Gewalt zu drohen. Europa muss sich dagegen verteidigen, um seine Grundprinzipien nicht zu verraten meint ThePioneer Expert und Ex-Außenminister Joschka Fischer.

Was wird nach der Vollendung des militärischen Aufmarsches der russischen Armee an der Grenze zur Ukraine geschehen? Wird Putin den Angriffsbefehl erteilen? Soll ein russischer Nachbar, ein souveräner Staat, Mitglied der Vereinten Nationen und des Europarates mit Waffengewalt seiner Unabhängigkeit beraubt und zurück unter russische Herrschaft gebracht werden?

Man weiß es bis zur Stunde nicht, aber betrachtet und analysiert man die Faktenlage, dann spricht fast alles für die Option Krieg. Sollte dieser Fall wirklich eintreten, dann bedeutet er weit über die Ukraine hinaus eine tiefgreifende Zäsur für Europa, denn die europäische Ordnung und ihre Prinzipien, auf denen diese seit dem Ende des Kalten Krieges beruhte – Gewaltverzicht, Selbstbestimmungsrecht, Unverletzlichkeit der Grenzen, territoriale Integrität –, würden durch einen solchen Gewaltakt Russlands in Frage gestellt.

Europa wäre fortan wieder zweigeteilt in das „russische Europa“ im Osten und in das Europa von EU und Nato im Westen und in der Mitte des Kontinents. Fortan stünden erneut die Interessen und Prinzipien von imperialer Einflusszone gegen diejenigen freier, souveräner Demokratien, zusammenarbeitend in der Rechtsgemeinschaft der Europäischen Union und im transatlantischen Bündnis, der Nato.

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