Gastbeitrag von Carl Bildt: Krieg oder Frieden in der Ukraine?

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Der Russland-Ukraine Konflikt spitzt sich stetig zu. Zuletzt wurden russische Kriegsmanöver mit Schiffen und Luftwaffen auf dem Schwarzen Meer geprobt. Kann Russland es akzeptieren, friedlich neben einer souveränen, unabhängigen und ungeteilten Ukraine zu leben? Oder ist offener Krieg unvermeidlich?

Dies ist in Osteuropa seit langem die größte Frage, und mit dem massiven Aufgebot russischen Militärs an der Krim und entlang der ukrainischen Ostgrenze rückt sie wieder abrupt in den Vordergrund.

Die ukrainische Unabhängigkeit war das Thema, das vor drei Jahrzehnten zur Auflösung der Sowjetunion geführt hat. Der Abschied anderer Sowjetrepubliken war nicht unbedingt eine existenzielle Bedrohung, aber die ukrainische Unabhängigkeitserklärung auf jeden Fall. Sie besiegelte das Schicksal der Sowjetunion – einen Zusammenbruch, an den sich der russische Präsident Wladimir Putin als an „die größte geopolitische Katastrophe“ des zwanzigsten Jahrhunderts erinnerte.

Über zwei Jahrzehnte nach dem sowjetischen Zusammenbruch hinweg konzentrierte sich Russland in erster Linie darauf, den Staat aufzubauen und eine eigene Identität zu finden. Dies änderte sich, als Putin 2012 seine dritte Amtszeit als Präsident antrat.

Nun schlug er einen revisionistischen Kurs ein, um eine sogenannte Eurasische Union zu bilden.

Die Ukraine entwickelte unterdessen großes Interesse, sich ihren zentraleuropäischen Nachbarn anzuschließen. Und obwohl diese Länder der Europäischen Union beigetreten waren, gab es keinen Grund, warum engere Verbindungen zu ihnen die historischen und kulturellen Beziehungen der Ukraine zu Russland schwächen sollten.

Eine Infografik mit dem Titel: Der Ostukraine-Konflikt

Von den Separatisten und der ukrainischen Regierung kontrollierte Gebiete an der ukrainisch-russischen Grenze

Unter diesen Umständen war die EU-Ostpartnerschaft, die zu einer tiefen und umfassenden Freihandelszone mit der Ukraine führte, Teil eines größeren Versuchs, der Ukraine auf halbem Wege entgegenzukommen. Nichts an diesen Handelsabkommen zwischen der EU und der Ukraine war mit denjenigen zwischen der Ukraine und Russland unvereinbar. Aber der Kreml sah die Sache anders: Er konnte diese Vereinbarung nicht akzeptieren und begann, den schwachen und wankelmütigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch zu zwingen, sich von der EU abzuwenden. Dies führte zu einem Volksaufstand, der Janukowitsch aus dem Land (nach Moskau) trieb und die Bühne für den Krieg bereitete, der 2014 begann.

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