Gastbeitrag von Nils Seebach: Die Innenstädte müssen kundenzentriert werden

 © imago

Anders als der stationäre Handel befindet sich der von der Pandemie katalysierte Onlinehandel im ständigen Aufstieg. Nils Seebach nimmt Stellung zu den Hilfsmaßnahmen und erklärt wieso ein Perspektivwechsel nötig ist, um die Innenstädte zu retten.

Milliardenschwerer Innenstadt-Fonds, 500-Euro-Konsumgutscheine pro Einwohner, die „Paketabgabe“ für den Online-Handel und die Digitalsteuer – Politik und Verbände übertreffen sich immer wieder gegenseitig mit ihren Forderungen nach Hilfen für den stationären Einzelhandel.

Wie sehr die Berliner Politik noch an der Vergangenheit festhält, verdeutlicht allein das 460-Millionen-Euro-Kreditpaket, das an Galeria Karstadt Kaufhof fließt. Bei den sich überschlagenden Ereignissen und Meldungen zur Pandemie ist dieses im Januar 2021 geschriebene, unrühmliche Kapitel deutscher Wirtschaftspolitik fast in Vergessenheit geraten.

Dabei zeigt sich gerade hier, was falsch läuft. Es ist nicht plausibel zu behaupten, dass die einstigen Konsumtempel von Galeria Karstadt Kaufhof, die seit nunmehr zwanzig Jahren mit verschiedensten Managern und Konzepten nicht profitabel sind, die Grundlage einer florierenden Einzelhandelslandschaft bilden.

Die Staatshilfe für Galeria Karstadt Kaufhof ist eine Investition in die Vergangenheit – der stationäre Handel, wie die Kaufhauskette ihn betreibt, ist das sprichwörtliche tote Pferd, das eigentlich niemand mehr reiten sollte.

Vor allem aber sind die Millionen, die Galeria Karstadt Kaufhof bekommt, ein Schlag in das Gesicht aller kleineren Händler, die sich entweder fleißig digitalisiert haben und/oder noch immer auf die Corona-Hilfen warten.

Dem Onlinehandel wird derweil die Schuld für die Misere der Innenstädte zugeschrieben. Es fühlt sich ob der Aussagen manches Politikers oder Interessensvertreters beinahe so an, als sterbe mit jedem online umgesetzten Euro ein stationärer Händler. Dabei stehen deutsche Unternehmen wie Rose Bikes oder der Musikfachhändler Thomann beispielhaft für eine neue Generation von Händlern, die gerade mit der Zeit gehen – und so wahrscheinlich nicht mit der Zeit gehen werden.

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