Moderne Geldtheorie - Dichtung und Wahrheit

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Die moderne Geldtheorie findet ihr historisches Vorbild bereits im 18. Jahrhundert, zu Zeiten John Laws und Goethes. Was man unter der "Modern Monetary Theory" und „Quantitative Easing“ versteht, welche Risiken die Theorie birgt und wozu sie heute geführt hat, erklärt Manfred Schlumberger.

Zur Abwendung eines drohenden Staatsbankrotts empfiehlt der Teufel (Mephisto) in Goethes Faust dem Kaiser die ungedeckte Ausgabe von Papiergeld. Das Geld wird genutzt für ein großes Infrastrukturprojekt, mit einem Deich wird dem Meer neues Land abgewonnen. Klassische Infrastrukturinvestitionen. Die Möglichkeit der ungebremsten Geldschöpfung schuf schon im 19. Jahrhundert die Voraussetzung für einen höheren Wohlstand durch die industrielle Revolution.

Goethe verschweigt aber, dass die Idee des Teufels einen Pferdefuß hat.

John Law - Das historische Vorbild

Goethe, der sächsischer Finanzminister war, hatte bei diesem Teil seines „Faust“ ein historisches Ereignis als Vorbild: die Einführung des Papiergelds im nach der Regentschaft Ludwig XIV. bankrotten Frankreich des Jahres 1718 durch den schottischen Nationalökonomen John Law.

Law hatte die Bekanntschaft des neuen Regenten Frankreichs gemacht. Dieser erlaubte ihm die Gründung einer privaten Kreditbank und die Ausgabe von Staatspapiergeld. Handel und Gewerbe blühten auf. Law gründete außerdem die „Mississippi Gesellschaft“, die die Kolonialisierung Louisianas und Kanadas bezweckte.

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