Gastbeitrag von Carl Bildt: Was die Norderweiterung der Nato bedeutet

Der 24. Februar stellt einen Wendepunkt in der Sicherheitslage für viele Länder dar - auch für Nordeuropa. Es kann fest angenommen werden, dass Schweden und Finnland bis zum Sommer ihren Antrag zur Aufnahme in das Nato-Bündnis stellen werden. Was hat das für Folgen? Eine Analyse von Carl Bildt.

Auch wenn der wahrscheinliche Ausgang des Krieges von Wladimir Putin gegen die Ukraine noch unklar ist, hat die russische Aggression die europäische Sicherheitsordnung bereits in bedeutender Weise verändert.

Der einzige moderne historische Vergleich in Europa ist Hitlers Einmarsch in Polen im September 1939. In beiden Fällen handelte es sich um groß angelegte, unprovozierte Angriffe auf ein Nachbarland mit dem Ziel, es zu vernichten.

Wladimir Putin © dpa

Hitler weigerte sich, die Existenz eines unabhängigen Polens zu akzeptieren; Putin weigert sich, die Realität einer unabhängigen Ukraine zu akzeptieren.

Der Einmarsch Putins war für die europäischen Regierungen ein großer Schock. Die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs hatten die Warnungen der USA vor einem bevorstehenden Angriff heruntergespielt, weil sie der Meinung waren, dass Putin zwar unberechenbar sein kann, aber wohl kaum so etwas Irrationales tun würde.

Diese Illusion wurde am 24. Februar zerstört, der zu Europas 9/11 geworden ist: ein globaler und geopolitischer Weckruf mit zwei Hauptfolgen:

Pioneer Expert, Ex-Ministerpräsident von Schweden.
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