Auszug aus dem neuen Buch von Janina Kugel: Corona zeigt uns unsere Defizite!

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Die ehemalige Siemens-Personalvorständin, eine der einflussreichsten Frauen in der deutschen Wirtschaft beschreibt in ihrem ersten Buch "It's Now", wie wir Veränderungen und Wandel aktiv gestalten können.

Es war im April 2020, ein ganz normaler Sonntag im Lockdown. Oder soll ich sagen, ein ganz normaler Frusttag im Lockdown? Ich war schon wieder genervt, von allem und nichts, dabei kündigte sich sogar der Frühling an. Bevor ich mit irgendjemand Streit anfing, beschloss ich, besser mal laufen zu gehen, der Frust musste raus. Wer öfter läuft, kennt das: Laufen bringt einen runter, macht den Kopf frei, und schon beim Start war klar, es würde die lange Runde werden. Normalerweise rege ich mich nach ein paar Kilometern ab, aber nicht an diesem Tag.

Wer wie ich häufig an einem Fluss entlangläuft, weiß, dass Brücken die Länge der Runden definieren. Denn alles, was ich rechts des Flusses in eine Richtung laufe, muss ich links des Flusses wieder zurücklaufen. Ich rannte also los, kam an der ersten Brücke vorbei, an der zweiten und war leider nach 5 Kilometern noch genauso gefrustet wie zu Beginn, auch nach 8 Kilometern wurde es nicht besser. Also lief ich weiter und packte sogar noch einen Berg mit rein. Beim Runter- laufen war ich zumindest kurz zufrieden, dass ich den auch noch gepackt hatte, aber viel half das nicht.

#Homeeverything - über den Frust im Lockdown

17 Kilometer später war ich wieder zu Hause. Meine Stimmung? Etwas verbessert, aber nicht besonders. Zumindest waren meine Aggressionen verflogen, ich war ausgepowert, und meine Beine schickten mir klare Signale nach oben: "Du spinnst ja wohl", sagten sie mir.

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"Leute, was für ein Scheißtag", schrieb ich auf Instagram. Und an den Reaktionen konnte ich sehen, dass ich nicht die Einzige mit Frust war. Ich weiß, im Vergleich zu Millionen Menschen auf der Welt ging es uns ja gut. In Deutschland ohnehin und uns als Familie auch. Aber dennoch machte ich im #homeeverything – so nannte ich den Zustand, als aufgrund des Lockdowns alles nur noch zu Hause stattfand – so ziemlich genau all das, was ich nie in der Kombination und vor allem nie in der Gänze tun wollte: Ich war Mutter, Frau und gerade dabei, in einen neuen beruflichen Abschnitt zu starten. Das ging ja noch.

Dazu kam Hausfrau, Köchin, Putzfrau, Einkäuferin, Lehrerin, Schülerin (ich musste dringend Physik nachholen), Fachkraft für IT und WLAN, Prellbock (insbesondere bei Zusammenbrüchen der Internetinfrastruktur), Streitschlichterin. Der Alkoholkonsum im Haus stieg. Das Gewicht nur deshalb nicht, weil ich so viel lief wie schon lange nicht mehr nach meinem Studium. Klingt lustig? Jetzt ja, damals nein.

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