Wie die USA den neuen Kalten Krieg verlieren könnten

Lange Zeit waren die USA die Nummer eins. Inzwischen finden sie sich in einem neuen Kalten Krieg zwischen russischen und chinesischen Fronten wieder. Was kann und muss die USA tun, um nicht entthront zu werden? Ein Gastbeitrag von Joseph E. Stiglitz.

Die Vereinigten Staaten scheinen sowohl mit China als auch mit Russland in einen neuen Kalten Krieg eingetreten zu sein. Und die US-Führung, die die Konfrontation als eine zwischen Demokratie und Autoritarismus darstellt, macht sich unglaubwürdig, zumal sie gleichzeitig ein Land wie Saudi-Arabien, das systematisch Menschenrechte verletzt, aktiv umwirbt.

Eine solche Heuchelei lässt vermuten, dass es zumindest teilweise um die globale Hegemonie und nicht um Werte geht.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs waren die USA zwei Jahrzehnte lang eindeutig die Nummer eins. Doch dann kamen katastrophal fehlgeleitete Kriege im Nahen Osten, der Finanzcrash von 2008, zunehmende Ungleichheit, die Opioid-Epidemie und andere Krisen, die die Überlegenheit des amerikanischen Wirtschaftsmodells in Frage zu stellen schienen. Darüber hinaus gibt es zwischen der Wahl Donald Trumps, dem versuchten Staatsstreich im US-Kapitol, zahlreichen Massenschießereien, einer auf Wählerunterdrückung ausgerichteten republikanischen Partei und dem Aufstieg von Verschwörungssekten wie QAnon mehr als genug Beweise dafür, dass einige Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Amerika zutiefst pathologisch geworden sind.

Natürlich will Amerika nicht entthront werden.

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