Rede der US-Botschafterin : Wir werden unsere Freiheit verteidigen!

Die neue US-Botschafterin Amy Gutmann setzt auf die Jugend und auf eine Innovationspartnerschaft, um die transatlantischen Beziehungen zu revitalisieren. Und: Der Krieg in der Ukraine habe den Westen zusammengeschweißt. Wir dokumentieren ihre Rede an der FU Berlin hier im Wortlaut.

Ich möchte heute mit Ihnen über Wendepunkte sprechen, über eine Zeitenwende, über die Welt, in der wir heute leben, und darüber, wie sie sich verändert hat, über den schwierigen Weg zu Frieden und Demokratie, die wir oft als selbstverständlich erachten, und darüber, was diese Zeiten, in denen wir vor großen Herausforderungen stehen, erfordern.

Wie Bundeskanzler Olaf Scholz drei Tage nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine so glaubhaft und eindringlich versicherte:

„Wenn wir wollen, dass diese letzten 30 Jahre keine historische Ausnahme bleiben, dann müssen wir alles tun für den Zusammenhalt der Europäischen Union, für die Stärke der Nato, für noch engere Beziehungen zu unseren Freunden, Partnern und Gleichgesinnten weltweit.“

Olaf Scholz  © dpa

Am 17. Februar habe ich Bundespräsident Steinmeier mein Beglaubigungsschreiben als neue US-Botschafterin in Deutschland überreicht.

Am nächsten Tag nahm ich an der Münchner Sicherheitskonferenz teil.

Zentrales Thema der Gespräche waren die möglichen Folgen einer russischen Invasion. Wenige Tage später marschierte Russland in die Ukraine ein – mit einer für alle anständigen Menschen weltweit schockierenden Brutalität.

US-Außenminister Anthony Blinken und EU-Außenbeauftragter Josep Borell auf der Münchner Sicherheitskonferenz. © dpa

Dies hatte in der Tat Konsequenzen; für Präsident Putin waren es ungeahnte Konsequenzen. Er hatte auf eine Spaltung der NATO gesetzt.

Die Nato war noch nie so geeint wie heute.

Die Nato war noch nie so geeint wie heute. Ich sehe diese Geschlossenheit in unserer Arbeit mit Partnerinnen und Partnern auf allen Ebenen der Bundesregierung und der deutschen Zivilgesellschaft, und ich weiß sie zu schätzen.

Diese Geschlossenheit spiegelt sich auch in den drei Hauptzielen wider, an denen sich die diplomatische Arbeit meines Teams in Zukunft orientieren wird: Bündnisse voranbringen, Innovation inklusiv gestalten und Demokratie verteidigen.

Diese Ziele klingen einfach, kurz und prägnant. Tatsächlich stehen sie aber für die vielschichtigen und schwierigen Herausforderungen, vor denen wir in den Vereinigten Staaten, in Deutschland und überall auf der Welt stehen.

An diesen Zielen wird sich die Arbeit unserer Botschaft und unserer fünf Konsulate ausrichten. Ich habe bereits unsere Konsulate in Frankfurt, Leipzig und Hamburg besucht. Meine Reisen in den kommenden Wochen werden mich nach München und Düsseldorf und an andere Orte in ganz Deutschland führen.

Besonders freue ich mich auf meinen Besuch in Feuchtwangen in Bayern, die Stadt, in der mein Vater geboren wurde und aufgewachsen ist.

1934 musste er seine Lehre abbrechen und aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen.

Der Grund? Er war Jude.

Sein Mut und seine Weitsicht retteten meiner gesamten Familie das Leben und lehrten mich, wie wichtig es ist, sich entschieden gegen alle Formen von Hass, Fanatismus und Diskriminierung zur Wehr zu setzen.

Als Tochter eines Flüchtlings in erster Generation hätte ich nie zu träumen gewagt, dass ich eines Tages Präsidentin der University of Pennsylvania werden würde, einer der ältesten und innovativsten Universitäten der Vereinigten Staaten.

Pioneer Expert, US-Botschafterin in Deutschland.
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