Gastbeitrag von Außenminister a.D. Sigmar Gabriel: Europa nach dem Brexit

 © dpa

Wer wird Europa führen? Mit dem Vorstoß für eine europäische "strategische Autonomie" versucht Emmanuel Macron die Führungslücke zu füllen. Doch er braucht Deutschland.

"Die Vereinten Nationen wurden nicht gegründet, um die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren", sagte der erste UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld einst.

Die Hölle, die er im Sinn hatte, war natürlich der Zweite Weltkrieg und die Shoah, neben der die meisten der heutigen Herausforderungen verblassen. Nichtsdestotrotz haben Störungen wie die COVID-19-Pandemie und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union viele Überzeugungen in Frage gestellt, die die Europäer zuvor für selbstverständlich hielten.

Dank der Führungsrolle der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel innerhalb der EU hat Europa das Jahr 2020 relativ unbeschadet überstanden. Ihre Amtszeit als rotierende Präsidentin des Europäischen Rates in der zweiten Jahreshälfte wird wohl als eine der großen politischen Meisterleistungen der europäischen Nachkriegsgeschichte in Erinnerung bleiben.

Als die Pandemie im letzten Frühjahr ausbrach, sah es so aus, als würde jeder EU-Mitgliedsstaat für sich selbst entscheiden. Deutschland zum Beispiel verbot vorübergehend den Export von medizinischen Hilfsgütern und Ausrüstungen, obwohl die Zahl der Todesopfer im nahen Italien entsetzlich anstieg. Doch seither haben die Europäer eine beeindruckende Solidarität im Kampf gegen die Pandemie gezeigt.

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