Gastbeitrag von Sigmar Gabriel: Kann Europa für die USA ein starker Partner sein?

 © ThePioneer

Zwischen den USA und Europa ist der partnerschaftliche Ton zurückgekehrt. Joe Biden formuliert den Anspruch der Vereinigten Staaten, wieder gemeinsam mit Europa die Weltpolitik zu führen. Kann Europa diesen Anspruch erfüllen?

US-Präsident Joe Biden hat seine Mission gefunden: den Westen sicher zu machen, indem er dessen freiheitliche Demokratien gegen autoritäre Versuchungen aus dem In- und Ausland stärkt. Angesichts eines Putschversuchs und steil zunehmender sozioökonomischer Ungleichheit im eigenen Land weiß Biden, dass Demokratien keine Unterstützung im Ausland finden werden, solange sie ihre Versprechen von Fairness, Gerechtigkeit und Sicherheit zu Hause nicht erfüllen.

Wenn Europa ein Partner bei diesem Revival der Demokratie sein will, kann es damit anfangen, den Realismus hinter der Rhetorik der US-Regierung zu erkennen. Biden schmachtet nicht nach irgendeiner mythischen verlorenen Ära amerikanische Größe, so wie sein Amtsvorgänger es tat. Er hat die Zukunft im Blick, und es geht ihm um Fragen, die demokratische Liberale und Konservative gleichermaßen umtreiben.

Wie beispielsweise schaffen wir Chancen für diejenigen, die durch den globalen Kapitalismus abgehängt wurden, damit sie nicht den falschen Versprechen der Populisten zum Opfer fallen? Wie stellen wir das Bekenntnis anderer entwickelter demokratischer Länder zu demokratischen Werten wieder her? Wie legen wir den übermächtigen Finanz- und Technologiebranchen Zügel an oder schmieden eine dynamischere Weltordnung?

Die Vorstellung vom „Westen“ war immer universell gedacht: als normativer Rahmen für eine friedliche, von Wohlstand gekennzeichnete Koexistenz aller Menschen. Menschenrechte, freie Meinungsäußerung, demokratische Selbstbestimmung und Rechtsstaatlichkeit sind nicht auf eine bestimmte Region oder Gruppe von Ländern beschränkt.

Was die Europa-Reise von Joe Biden für Deutschland bedeutet

Der US-Präsident ist zu Besuch in Europa - ohne Berlin auf seinem Programm.

Veröffentlicht in Security Briefing von Marina Kormbaki Gordon Repinski .

Briefing

Briefing lesen

Doch wenn Sie ein führerender chinesischer Politiker sind, werden Sie sich fragen, warum ihr Land dem „Westen“ folgen sollte – insbesondere jetzt, da die meisten Chinesen der Ansicht sind, dass die vom Westen konzipierte internationale Ordnung ihren eigenen Aspirationen feindselig gegenübersteht. Aus dieser Perspektive ist die europäisch-amerikanische Ära vorbei. Die Anzeichen westlicher Dekadenz sind allgegenwärtig – vom Kriegsdebakel im Irak und der Trump-Präsidentschaft bis hin zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.

Weiterlesen?Join ThePioneer!

Werden Sie jetzt Pioneer und erhalten Sie Zugang zu allen journalistischen Inhalten und unserem Medienschiff ThePioneer One.

Ich komme an Bord

Schon Pioneer?

In der Mitgliedschaft enthalten
Lädt...