Goldminen verdienen heute Margen, die Anleger sonst nur aus dem Tech-Sektor kennen. Mit dem gestiegenen Goldpreis boomen die Gewinne der Produzenten. Ihre Cashflows sind sprunghaft angestiegen, die Schulden sinken und das Eigenkapital wächst.
Ungeachtet des bereits erfolgten Anstiegs sprechen viele Gründe für weitere Goldrekorde.
Zentralbanken kauften allein im vorigen Jahr rund 860 Tonnen Gold – deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt.
Die geopolitische Lage ist angespannt. Die Konflikte mit dem Iran, in Nahost, der Ukraine-Krieg und die Bestrebungen Chinas in Taiwan verunsichern. Dazu kommen die Ansprüche der USA auf Grönland.
Die USA verunsichern mit ihren Zöllen. Nach dem Urteil des Supreme Courts ist die Unsicherheit zurückgekehrt.
Die Schuldenstände steigen indes weiter. Die Defizitquoten der Industrieländer sind hoch.
Wie viel Aufwärtspotenzial haben Goldminen in diesem Umfeld noch? Wie sehr unterscheiden sich die Minenbetreiber untereinander? Und wo gibt es die größten Chancen?
The Pioneer sprach mit einem Fondsmanager, der diesen Sektor nicht nur analysiert, sondern geologisch versteht: Joachim Berlenbach. Der promovierte Geologe und frühere Citibank-Analyst sitzt nicht nur vor Excel-Modellen, sondern geht selbst in die Minen, analysiert Bohrkerne und weiß, wie man geologische Strukturen bewerten muss.
Das Investment-Team von Earth Resource Investments rund um Joachim Berlenbach bei der Besichtigung einer Goldmine. © Earth Resource InvestmentsBerlenbachs Earth Gold Fund UI erzielte 2025 eine Rendite von 161 Prozent. Damit gehörte er zu den erfolgreichsten aktiv gemanagten Rohstofffonds Europas. Zum Vergleich: Der MSCI World Index legte im selben Zeitraum nur rund plus 24 Prozent zu.
Aus Sicht des Experten liegt der Goldminensektor trotz des Wertzuwachses noch im Wahrnehmungsschatten der meisten Anleger. Berlenbach hält Gold für aussichtsreich. Aber das wirklich spannende Thema sind die Minenbetreiber:
Diese Entwicklung hat gerade erst begonnen.
Die fundamentale Neubewertung der Goldindustrie hat noch nicht stattgefunden. Die Branche galt lange als zyklisch und kapitalintensiv. Heute ist sie ein hochprofitables Cashflow-Geschäft.
Fünf Punkte zeigen, warum Goldminen-Aktien derzeit eines der aussichtsreichsten Themen der Börse sind.
#1 Steigende Preise und günstige Bewertungen
Der Mechanismus der Goldminen-Investmentthese ist vergleichsweise simpel. Berlenbach sagt:
„Die weltweite Goldproduktion liegt seit Jahren relativ stabil bei rund 3.600 Tonnen jährlich. Gleichzeitig steigt die Nachfrage kontinuierlich. Das bedeutet, dass strukturell mehr Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft. Diese Dynamik unterstützt langfristig höhere Preise.“
Die Goldminenproduzenten profitieren:
„Die Industrie ist deutlich disziplinierter geworden. Die Unternehmen generieren heute freien Cashflow in einer Größenordnung, die es ihnen ermöglicht, ihre Bilanzen strukturell zu stärken. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu früheren Zyklen.“
Die Geschäftsberichte der Unternehmen stützen diese Aussage. Produzenten wie Equinox Gold oder Torex Gold generieren operative Margen von teilweise über 40 Prozent, steigerten ihre Nettogewinne innerhalb kurzer Zeit massiv und bauen ihre Schulden ab.
Torex Gold etwa steigerte seinen Nettogewinn innerhalb eines Jahres von 134 Millionen auf über 403 Millionen US-Dollar und erhöhte sein Eigenkapital von 1,63 Milliarden auf 2,43 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig werden diese Unternehmen weiterhin mit moderaten Bewertungskennzahlen gehandelt. Viele große Goldproduzenten weisen aktuell Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen acht und zwölf sowie Free-Cashflow-Renditen von über zehn Prozent auf. Das ist deutlich mehr als der breite Aktienmarkt mit typischen Free-Cashflow-Renditen von drei bis fünf Prozent.
Eine Infografik mit dem Titel: Noch nie war Goldabbau so profitabel
Vergleich Goldpreis vs. durchschnittliche Gesamtkosten für eine Feinunze Gold, in US-Dollar
Das ist eine klare Bewertungsdiskrepanz. Berlenbach sagt:
„Wir sehen aktuell die profitabelste Situation, die ich je in der Goldindustrie gesehen habe. Viele Unternehmen generieren außergewöhnlich hohe Cashflows, aber der Markt hat diese strukturelle Verbesserung noch nicht vollständig reflektiert.“
#2 Der operative Hebel
Der zentrale Mechanismus des Sektors ist einfach und effektiv: Goldminen sind ein Fixkosten-Geschäft in einem variablen Preisumfeld.
Ein Großteil der Kosten entsteht unabhängig vom Goldpreis: Infrastruktur, Energieversorgung, Personal, Wartung und Verwaltung. Diese sogenannten nachhaltigen Gesamtkosten („All-in Sustaining Costs“) liegen bei großen Produzenten typischerweise zwischen 1.600 und 2.000 US-Dollar je Feinunze Gold.
Beispiel Equinox Gold:
Das Unternehmen verkaufte im Jahr 2025 insgesamt 778.561 Feinunzen Gold.
Durchschnittlicher Preis von 3.465 US-Dollar je Feinunze.
Gleichzeitig lagen die nachhaltigen Produktionskosten bei rund 1.925 US-Dollar je Feinunze.
Daraus ergibt sich ein operativer Überschuss von rund 1.540 US-Dollar je Feinunze.
Diese Marge übersetzt sich direkt in Cashflow: Equinox Gold erzielte im Gesamtjahr 2025 einen operativen Cashflow von 915 Millionen US-Dollar und einen operativen Gewinn von 1,34 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 2,71 Milliarden US-Dollar.
Noch wichtiger ist der operative Hebel: Bei einer Jahresproduktion von rund 900.000 Feinunzen bedeutet eine Veränderung des Goldpreises um nur 100 US-Dollar je Feinunze eine Veränderung des operativen Cashflows um rund 90 Millionen US-Dollar pro Jahr.
Berlenbach sagt:
„Wir haben heute Produktionskosten von unter 1.800 US-Dollar je Feinunze bei vielen Unternehmen. Wenn der Goldpreis deutlich darüber liegt, sprechen wir von freien Cashflow-Margen von mehreren tausend Dollar je Feinunze. Das ist historisch außergewöhnlich.“
Die Investment-Implikation:
„Minenaktien haben einen starken Hebel auf den Goldpreis, weil ihre Kostenstruktur relativ stabil ist. Wenn der Goldpreis steigt, erhöht sich der Cashflow überproportional. Dieser Cashflow bestimmt letztlich den inneren Wert eines Unternehmens.“
Bedeutet im Klartext:
„Wenn ein Investor davon ausgeht, dass der Goldpreis langfristig stabil bleibt oder weiter steigt, dann bieten Goldminenaktien einen direkten Hebel auf diese Entwicklung. Genau deshalb sind sie aus unserer Sicht aktuell besonders attraktiv.“
#3 Von Kapitalverbraucher zu Kapitalproduzenten
Historisch war der Goldsektor geprägt von hohen Schulden, aggressiven Übernahmen und ineffizienter Kapitalallokation. Steigende Goldpreise führten zwar zu höheren Einnahmen, aber oft nicht zu nachhaltigem Wertaufbau.
Heute ist die Situation fundamental anders.
Equinox Gold generierte allein im Jahr 2025 einen freien Cashflow aus dem operativen Minenbetrieb von rund 835 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig reduzierte das Unternehmen seine Nettoverschuldung um über eine Milliarde US-Dollar und verfügt heute über eine nahezu schuldenfreie Bilanz.
Branchenweit zeigt sich dieselbe Entwicklung: Die Nettoverschuldung vieler großer Goldproduzenten liegt heute unter dem 0,5-fachen ihres jährlichen EBITDA. Das ist ein historisch niedriges Niveau.
Auch Branchenführer wie Newmont haben ihre Kapitalstruktur radikal verbessert. Das Unternehmen erzielte im Jahr 2025 Einnahmen von 4,5 Milliarden US-Dollar aus Vermögensverkäufen und generierte gleichzeitig operative Cashflows in Milliardenhöhe.
Berlenbach sagt dazu:
Die Unternehmen haben heute eine völlig andere Kapitaldisziplin als in früheren Zyklen. Sie investieren selektiver, reduzieren Schulden und konzentrieren sich auf Cashflow statt auf Wachstum um jeden Preis.
Und weiter:
„Früher waren viele Unternehmen gezwungen, Kapital aufzunehmen, um zu überleben. Heute generieren sie ausreichend Cashflow, um ihre Investitionen selbst zu finanzieren und gleichzeitig ihre Bilanz strukturell zu stärken.“
#4 Goldreserven sind der entscheidende Bewertungsfaktor
Jede wirtschaftlich förderbare Feinunze Gold im Boden stellt aus Sicht der Produzenten einen zukünftigen Cashflow dar.
Newmont verfügt über Goldreserven von über 118 Millionen Feinunzen. Allein die Lihir-Mine enthält Reserven von rund 16 Millionen Feinunzen bei Produktionskosten von rund 1.765 US-Dollar je Feinunze und einer erwarteten Lebensdauer von über 15 Jahren.
Eine Infografik mit dem Titel: Staaten sitzen weltweit auf einem wahren "Goldschatz"
Länder mit den größten Goldreserven, in Tausend Tonnen
Zusätzlich verfügt das Unternehmen über Ressourcen von über 250 Millionen Feinunzen Gold – potenziell wirtschaftlich erschließbare Lagerstätten.
Darin liegt ein struktureller Hebel:
„Reserven werden immer auf Basis eines bestimmten Goldpreises berechnet. Wenn der Goldpreis steigt, können Teile einer Lagerstätte, die zuvor nicht wirtschaftlich waren, plötzlich als Reserve klassifiziert werden.“
Und weiter:
„Wenn der Goldpreis steigt, erhöht sich nicht nur der aktuelle Cashflow, sondern auch der langfristige ökonomische Wert der Lagerstätte. Das bedeutet, dass sich der innere Wert eines Unternehmens strukturell erhöht.“
#5 Gold-Aktie ist nicht gleich Gold-Aktie
Der größte Unterschied im Goldsektor liegt nicht zwischen Gold und Minen – sondern zwischen den einzelnen Unternehmen.
Große Produzenten wie Newmont oder Barrick Mining fördern jährlich fünf bis sechs Millionen Feinunzen Gold. Diese Größe bringt Stabilität, begrenzt aber das Wachstumspotenzial.
Joachim Berlenbach erklärt:
„Wenn ein Unternehmen bereits mehrere Millionen Feinunzen pro Jahr produziert, ist es extrem schwierig, die Produktion noch stark zu steigern. Der größte Wertzuwachs entsteht oft bei kleineren Unternehmen, die neue Minen entwickeln oder ihre Ressourcen erweitern.“
Genau hier liegt der entscheidende Hebel.
Ein Produzent mit 200.000 Feinunzen Jahresproduktion kann seine Produktion durch eine einzige erfolgreiche Expansion verdoppeln. Bei einem Goldpreis von 3.500 US-Dollar je Feinunze würde dies zusätzliche Einnahmen von rund 700 Millionen US-Dollar pro Jahr bedeuten.
Noch wichtiger ist die Bewertung dieser zukünftigen Projekte.
Berlenbach:
Wenn der Goldpreis steigt, können Projekte, die zuvor nicht wirtschaftlich waren, plötzlich profitabel werden. Das erhöht den inneren Wert eines Unternehmens erheblich.
Der Earth Gold Fund UI nutzt genau diese Ineffizienzen. Statt den Markt über große Produzenten abzubilden, investiert der Fonds gezielt in rund 35 bis 45 ausgewählte Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial.
Eine Infografik mit dem Titel: Goldrausch: "Wir befinden uns erst am Anfang eines Superzyklus"
Entwicklung des Earth Gold Fund seit Januar 2025
Berlenbach erklärt seinen Ansatz so:
„Wir investieren gezielt in Unternehmen, deren geologisches Potenzial vom Markt noch nicht vollständig erkannt wurde. Wenn neue Ressourcen nachgewiesen oder Projekte entwickelt werden, kann sich der Unternehmenswert erheblich erhöhen.“
Diese aktive Auswahl ist der Grund für die deutliche Outperformance des Fonds. Während große Goldproduzenten oft stabile, aber begrenzte Renditen liefern, bieten kleinere Produzenten und Entwickler deutlich größere Wertsteigerungspotenziale.
Oder wie er es formuliert:
Ein ETF bildet den Markt ab. Wir versuchen, Unternehmen zu identifizieren, deren Wert sich strukturell erhöhen kann.
Fazit
Der Goldpreis ist nicht die eigentliche Investment-Story. Die Transformation findet in den Bilanzen, Cashflows und Reserven der Produzenten statt. Berlenbach sagt:
Ich arbeite seit über zwei Jahrzehnten in diesem Sektor. Eine Kombination aus so hohen Cashflows, so starken Bilanzen und gleichzeitig moderaten Bewertungen habe ich in dieser Form noch nie gesehen.
Und weiter:
Ich habe noch nie so starken Rückenwind für Gold, Edelmetalle und Rohstoffe insgesamt gesehen wie jetzt.
Für Investoren bedeutet das: Der aktuelle Goldzyklus ist nicht nur ein Preisanstieg, sondern eine strukturelle Neubewertung einer gesamten Industrie.