Im Interview: Jens Spahn

Jens Spahn, Kinder-Influencer und Krawatten

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 © The Pioneer

Guten Morgen,

ich begrüße Sie zu unserem Gesellschaftspodcast Der 8. Tag – schön, dass Sie dabei sind.

Herzlichen Glückwunsch uns allen – es ist Wochenende!

Was bisher geschah:

  • Taylor Swift hat mit ihrem neuen Album wieder einmal Rekorde gebrochen: Als erste Künstlerin überhaupt belegte sie die ersten zehn Plätze der US-amerikanischen Billboard-Charts.

  • Die Bundesregierung hat deutsche Staatsbürger im Iran zur Ausreise aufgefordert. "Für deutsche Staatsangehörige besteht die konkrete Gefahr, willkürlich festgenommen, verhört und zu langen Haftstrafen verurteilt zu werden", heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.

  • Zu ihrer berühmten Halloween-Party kam Heidi Klum in diesem Jahr als Wurm.

  • Die deutschen Gasspeicher sind zu insgesamt knapp 99,2 Prozent gefüllt und erreichen so den gesetzlich vorgeschriebenen Füllstand von mindestens 95 Prozent.

  • Im kommenden Winter sind keine Corona-bedingten Kitaschließungen zu erwarten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat bei der Veröffentlichung des Abschlussberichts der "Corona-Kita-Studie" gesagt, es sei falsch gewesen, während der Pandemie die Kindertagesstätten zu schließen. "Die Kitas waren keine Infektionsherde".

Apropos Corona.

Haben Sie die vergangenen Jahre der Pandemie eigentlich verarbeitet? Was hat sich dauerhaft geändert?

Was ist geblieben, was gegangen?

Schreiben Sie mir, wenn Sie mögen, Ihre persönlichen Zeilen per E-Mail an: [email protected]

Die Frage, was die Pandemie-Jahre mit uns getan haben (und noch immer tun), habe ich in dieser Folge des Achten Tags dem Mann gestellt, der der erste Krisenmanager war.

“Wir werden einander viel verzeihen müssen.”

So lautete der vielleicht prägendste Satz des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn während der Corona-Krise.

Mit Jens Spahn an Bord der Pioneer One nach unserem Gespräch für den Achten Tag © The Pioneer

Was hat er eigentlich sich selbst verzeihen müssen in dieser Zeit?

Mit dem CDU-Politiker habe ich über Gefühle gesprochen, über das ungünstige Timing seines Immobilienkaufs und das Unvermögen von Politikern, Fehler einzugestehen, ohne sie im Nebensatz gleich wieder zu relativieren.

Und ich habe, ich musste ihn ansprechen darauf, dass er auf persönliche Fragen stets mit dem Hinweis antwortet, er sei ja nun mal westfälisch – mehr eine Ausflucht als eine Erklärung?

Ein Schutzmechanismus gar, um so wenig wie möglich über sich zu verraten?

Gute Frage.

Ich bin niemand, der viel über den eigenen Gefühlshaushalt spricht, und auch nicht viel zeigt. Das habe ich mit meiner Mutter auch schon 100 Mal durch.

Hören Sie dieses Gespräch über Tiefpunkte, Narzissmus und ein Bewerbungsschreiben für das Kanzleramt:

„Ich bin niemand, der viel Gefühle zeigt und über sie spricht“

Politiker Jens Spahn über seine Zeit als Corona-Minister, Fehler und die Ausflucht, Westfale zu sein

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Veröffentlicht in Der 8. Tag von Alev Doğan.

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Der 8. Tag

Natürlich, ich als Politiker lebe auch von Aufmerksamkeit, klar. Und ich glaube, so ein kleiner Schuss Narzissmus gehört zu dem Job wahrscheinlich auch dazu.

Und ja, natürlich haben wir auch über das mögliche Ziel Kanzleramt gesprochen:

Ich traue es mir grundsätzlich zu. Ich schlafe aber nicht jeden Tag ein oder stehe jeden Tag auf mit: Ich muss da jetzt hinkommen.

Mit der Erfahrung, die ich habe sammeln können, mit dem, wie ich Politik mache: Ja, ich glaube, ich könnte es im Fall der Fälle.

Falls Sie noch nicht wissen, was Sie Ihren Liebsten zu Weihnachten schenken sollen, hätte ich eine Idee: Wie wäre es in diesem Jahr mit werbefreiem Qualitätsjournalismus?

 © The Pioneer

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Und was Kultur-Events angeht – Floating Art, Floating Concert und mehr – haben wir im kommenden Jahr viel vor.

Ich freue mich auf Sie!

Kinder, die auf Social Media ihre Backkünste zelebrieren wollen, sind das eine. Eltern, die ihre Kleinstkinder täglich inszenieren, das andere. © Imago

Ist es okay, sein Kind zu vermarkten und zu inszenieren?

Mit Videos und Fotos, von denen einige sexuelle Assoziationen zumindest zulassen?

Etwa ein dreijähriges Kind, das während einer Drehbewegung im Sommerkleidchen so abgelichtet wird, dass man die Unterhose sehen kann – von Lolly-Fotos ganz zu schweigen.

Im Achten Tag blicken wir in diesen besorgniserregenden Graubereich zwischen elterlicher Fürsorgepflicht, Verletzung der Intim- und Privatsphäre und dem Blick auf das eigene (Klein-) Kind als lukratives Geschäft.

Piet Mondrians Gemälde "New York City 1" hing jahrzehntelang auf dem Kopf. © Walter Klein / Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Falls Sie sich jedes Mal doof vorkommen, wenn Sie vor einem abstrakten Werk von Malern wie Jackson Polock stehen und so tun müssen, als würden Sie verstehen, was uns der Künstler eigentlich sagen wollte, dann habe ich eine gute Nachricht für Sie:

Sie sind nicht allein – im Gegenteil: Sie sind in bester Gesellschaft.

Und damit meine ich nicht mich, sondern die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, die Sie mal besuchen sollten.

Dort hing eines der Hauptwerke des niederländischen Künstlers Piet Mondrian seit Jahrzehnten falsch an der Wand: nämlich auf dem Kopf.

Tommy Shelby (Cillian Murphy) macht in der Serie "Peaky Blinders" nicht viel richtig – modisch aber alles. © Robert Viglasky / Netflix

... der Krawatte.

Es ist nicht nur meine Abneigung gegen ein schludriges Auftreten, die mich für die Krawatte sprechen lässt, es ist auch meine Überzeugung, dass sie mehr als ein modisches Accessoire ist.

Auch wenn wir in Zeiten der weißen Sneaker, Kapuzenpullover und Jogginghosen einen schleichenden Rückzug der Krawatte erleben, glaube ich an ihre Zukunft.

Hören Sie im Achten Tag, weshalb.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und freue mich, wenn wir uns im nächsten Achten Tag wieder begegnen.

Bis dahin – auf sehr, sehr bald.

Herzlichst

Ihre

Pioneer Editor, Stv. Chefredakteurin ThePioneer
  1. , Pioneer Editor, Stv. Chefredakteurin ThePioneer

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