Pioneer Editor, Redakteurin Kultur und Gesellschaft

„Aufbau Ost als Nachbau West war das falsche Konzept“

Warum ist die politische Stimmung in Ostdeutschland so schwer zu verstehen? Im Achten Tag mit Soziologe Steffen Mau geht es um Ressentiments, politische Orientierung und die Frage, warum alltägliche Erfahrungen plötzlich zu hochpolitischen Konflikten werden.

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Interview

Mau beschreibt ein politisches Feld, in dem klassische Ordnungsmuster fehlen und Menschen sich ihre Positionen aus einzelnen Themen zusammensetzen.

Doch der Blick geht weiter zurück: auf die Transformation nach 1990, die Verteilung von Vermögen und die Frage, warum sich Ungerechtigkeitserfahrungen über Jahrzehnte halten können. Der Bestsellerautor erklärt, weshalb der Osten nicht einfach ein „defizitärer Westen“ ist – und warum Unterschiede zwischen Ost und West möglicherweise viel älter sind als die deutsche Teilung.

Besonders spannend wird es beim Blick auf die Geschlechter: Was hat der massive demografische Wandel mit politischer Radikalisierung und dem Wahlverhalten junger Männer zu tun? Und warum könnte gerade der tiefgreifende Wandel von Rollenbildern eine bislang unterschätzte Erklärung für die gesellschaftliche Orientierungslosigkeit sein?

Steffen Mau ist Soziologe und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln.