Pioneer Editor, Stv. Chefredakteurin The Pioneer

Katharina Grosse: „Die Besetzung des Kulturstaatsministers ist eine Katastrophe”

Katharina Grosse malt nicht einfach Bilder – sie erobert Territorien, sagt sie. Im Achten Tag erzählt die renommierte Künstlerin, warum Malerei für sie auch immer aggressiv und grenzüberschreitend ist - und wie sie Deutschland als ein Land erlebt, das sich in seiner eigenen Komplexität verheddert.

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Interview

Im Gespräch mit Alev Doğan verrät Grosse, warum sie bewusst Dinge zerstört, die gerade funktionieren, und weshalb die „Katastrophe“ beim Malen ein Moment sein kann, in dem etwas völlig Neues entsteht. „Ich will ja das, was ich noch nicht kenne“, sagt sie – und argumentiert, warum Erfahrung und Erfolg dabei sogar hinderlich werden können.

Von der Leinwand führt das Gespräch mitten in die Gegenwart: Grosse spricht über ein Deutschland, das ihr zu kompliziert und zu festgefahren erscheint, über politische Stagnation und die Notwendigkeit, Dinge wieder auszuprobieren, statt sie endlos zu verwalten. Sie fordert eine neue Form des gesellschaftlichen Miteinanders – und warnt davor, dass Macht, Algorithmen und die zunehmende Vereinzelung der Menschen genau diese Fähigkeit zum gemeinsamen Verhandeln schwächen könnten.

Besonders kritisch blickt die Künstlerin auf KI, Überwachung und die Macht weniger großer Konzerne. Sie erklärt, warum sie inzwischen bewusst wieder stärker in ihre persönlichen Netzwerke investiert, was Hannah Arendt damit zu tun hat und warum Kunst, Literatur und engagierte Menschen ihr trotz aller Krisen Hoffnung geben.

Katharina Grosse gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart. Bekannt ist sie vor allem für ihre monumentalen, leuchtenden Farbinstallationen, mit denen sie nicht nur Leinwände, sondern ganze Räume, Gebäude und Landschaften überzieht. Ihre Werke waren unter anderem auf der Biennale in Venedig sowie im MoMA und im Centre Pompidou zu sehen.