Deutsche Krisendiplomatie: Minimalkonsens mit Islamisten

 © dpa

Seit Tagen führt ein deutscher Gesandter heikle Gespräche mit einer Taliban-Delegation in Doha. Die Islamisten sichern deutschen Ortskräften freies Geleit zu, eskortieren nächtliche Konvois. Die Bundesregierung erwartet das Einhalten der Versprechen – die Taliban kontern.

Kabul fiel innerhalb von Stunden, nun sind die Taliban die zentrale Ordnungsmacht in der Stadt. Zehntausende Menschen versuchen derzeit, aus der afghanischen Hauptstadt vor den Islamisten zu fliehen. Auch über den Landweg gibt es vereinzelte Fluchtbewegungen. Und Afghanistan selbst steht vor der erneuten Herrschaft einer Taliban-Regierung, nach beinahe 20 Jahren mit internationalen Truppen im Land, die unter anderem genau dies verhindern sollten.

Seit Sonntag erlebt die Welt Tage einer humanitären Krise, eine Sicherheitsbedrohung.

Und auch auf der Ebene der Diplomatie ist diese besonders heikel. Noch sind die Gesprächskanäle zwischen dem Westen und den Taliban offen, man redet.

Doch allzu konkrete Verhandlungen über die aktuelle Lage der rund 38 Millionen Menschen im Land könnten rasch ein falsches Signal senden: Dass die Taliban nämlich anerkennt werden würden. Das wollen die westlichen Diplomaten, darunter solche der EU und der Bundesregierung, derzeit um jeden Preis verhindern.

Und so sind diese Tage und Stunden selbst für erfahrene Krisenmanager eine außergewöhnliche Drucksituation.

Für die Bundesregierung verhandelt derzeit ein Mann, der besonders viel Afghanistan-Erfahrung hat: Der deutsche Diplomat Markus Potzel (56), er war bereits Botschafter in Afghanistan und nimmt diese Rolle bald wieder auf. Dazwischen ist er Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan gewesen.

Diplomat Potzel mit früherer Ministerin von der Leyen, Kabul 2015 © dpa

Im Auswärtigen Amt dient er seit Jahren, nun hat ihn Außenminister Heiko Maas (SPD) also zu Gesprächen mit einer hochrangigen Delegation der militant-islamistischen Taliban nach Katar geschickt.

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