Tech-Event

CES 2026: Der Moment, in dem KI Geld verdienen muss

Die CES in Las Vegas ist der jährliche Realitätstest für Tech. 2026 geht es nicht um Gadgets, sondern um KI als Industrieprodukt: Nvidia beschleunigt Rubin, Uber setzt auf Robotaxis als Plattformgeschäft. Für Anleger zählt die Umsetzbarkeit.
Daniel Thomas Bayer
06.01.2026
© CES
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Noch nie wurde so viel Kapital auf KI gesetzt wie heute. Allein die großen US-Technologiekonzerne investieren 2026 zusammen über 400 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur. Gleichzeitig geraten selbst die wertvollsten Tech-Aktien unter Druck. Die CES wird damit zur Bewährungsprobe für ein Billionen-Narrativ.

KI verlässt das Rechenzentrum

Die CES ist die weltweit größte Technologiemesse und versammelt 2026 mehr als 140.000 Besucher und rund 3.500 Aussteller. Entscheidend ist diesmal nicht die Vielfalt, sondern die Richtung: KI wird in physische Produkte integriert. Damit verschieben sich die Maßstäbe von reiner Rechenleistung hin zu Stückkosten, Energieeffizienz und Zuverlässigkeit. Wer hier überzeugt, sichert sich Budgets und Partnerschaften. Für Anleger ist die CES kein Schaufenster, sondern ein Belastungstest.

Besucher testen neue IT-Gadgets auf der CES in Las Vegas. © CES

Autonomes Fahren wird zur Industrie

Das deutlichste Signal kommt aus der Mobilität. US-Tech-Konzern Uber präsentierte auf der CES ein seriennahes Robotaxi – nicht allein, sondern in einer klar arbeitsteiligen Partnerschaft mit Lucid und Nuro. Während Lucid das Fahrzeug stellt und Nuro die Level-4-Autonomie-Technologie liefert, konzentriert sich Uber auf das, was das Unternehmen beherrscht: Plattform, Nachfrage und Auslastung. Der kommerzielle Start ist für Ende 2026 in den USA geplant, erste Tests laufen bereits seit Dezember 2025 auf öffentlichen Straßen in Kalifornien. Autonomes Fahren wird damit vom Prestigeprojekt zur Skalierungs- und Kostenfrage. Uber vermeidet aber bewusst das technologische und regulatorische Vollrisiko und setzt stattdessen auf ein Plattformmodell.

Eine Infografik mit dem Titel: Nvidia braucht eine neue Story für die Investoren

Entwicklung der Nvidia-Aktie seit Januar 2025, in US-Dollar

Nvidia liefert die Infrastruktur für genau diesen Übergang

Auch dieses Mal haben einmal mehr alle auf ein Unternehmen gewartet: Nvidia. Der Chip-Gigant präsentierte neben einer neuen Generation an Chips auch ein vollständiges System aus Hardware, Netzwerk und Software, das KI günstiger, schneller und skalierbar machen soll.

Herzstück ist die neue Rubin-Plattform, die laut Unternehmen deutlich höhere Rechenleistung bei gleichzeitig niedrigerem Energieverbrauch liefern soll und ab der zweiten Jahreshälfte 2026 Umsatz generieren dürfte. Ergänzt wird sie durch neue Lösungen für autonomes Fahren, Robotik und Simulation, mit denen Nvidia KI direkt in Fahrzeuge und Maschinen bringt. Aus Investorensicht ist das entscheidend: Nvidia verkauft damit nicht mehr nur Rechenleistung, sondern positioniert sich als Betriebssystem für physische KI. Konzernchef Jensen Huang formulierte den Anspruch unmissverständlich:

Unsere Vision ist, dass eines Tages jedes einzelne Auto, jeder einzelne Lkw autonom sein wird.

Jensen Huang, Chef des Chipkonzerns Nvidia, zeigt einen der firmeneigenen KI-Chips. © dpa

Auch Konsumriesen ziehen KI in die reale Welt

Dass dieser Wandel nicht auf Mobilität beschränkt ist, zeigte Samsung Electronics auf der CES. Der Konzern präsentierte KI-Funktionen, die direkt in Fernseher, Smartphones und Haushaltsgeräte integriert sind und den Alltag steuern sollen. Samsung plant, die Zahl dieser KI-fähigen Geräte von rund 400 Millionen im Jahr 2025 auf etwa 800 Millionen bis Ende 2026 zu verdoppeln. Dafür investiert das Unternehmen jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge in Chips, Speicher und KI-Infrastruktur. Die wirtschaftliche Logik dahinter ist einfach: KI soll nicht beeindrucken, sondern den Wert jedes einzelnen Geräts erhöhen.

Fazit: Technologisch erreichen viele KI-Systeme schnell 99 Prozent Leistungsfähigkeit. Doch wirtschaftlich entscheidet das verbleibende Prozent. Autonome Fahrzeuge müssen seltene Ausnahmen beherrschen, KI-Systeme stabil, erklärbar und bezahlbar sein. Nvidia, Uber und andere Konzerne zeigen auf der CES, dass sie diesen Übergang ernst nehmen. Für Anleger zählt deshalb nicht das Demo-Video, sondern die Frage, ob daraus skalierbare Milliardenmärkte entstehen.

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