Ein Besuch bei Gerhard Schröder: Der Einsame

Gerhard Schröder hat viel verloren. Freunde, Einfluss, Respekt. Wie geht er damit um? Und was wollte er wirklich in Moskau? Ein Besuch bei dem Altkanzler in Hannover.

Nach 20 Minuten will Gerhard Schröder das Gespräch abbrechen.

“Es hat doch keinen Sinn mit euch”, brummt er und schaut seinen Gesprächspartner fast mitleidig an. Mit “euch” meint er die Journalisten in Deutschland.

Die kleine Wasserflasche auf dem Tisch ist noch gar nicht angerührt, da will der Altkanzler schon nicht mehr mit mir reden.

Neben ihm sitzt seine Frau, Soyeon Schröder-Kim. Sie macht eine beruhigende Geste.

Kurze Pause.

Wir sprechen weiter.

Es ist idyllisch in dem schmucken Innenhof von Schröders Altbaudomizil in Hannovers Zooviertel. Die Hortensien blühen, der Apfelbaum trägt seine Frucht.

Nach einigem Hin und Her per SMS hatte der Altkanzler schließlich zugestimmt, doch noch einmal mit ihm die aktuelle Lage zu erörtern.

Wieder einmal.

Es geht in dem Gespräch - natürlich - um die Ukraine und den russischen Angriffskrieg.

Gerhard Schröder und Michael Bröcker im Garten seines Hauses in Hannover.  © Soyeon Schröder-Kim.

Und es geht um die Frage: Warum?

Warum hat Schröder nach dem russischen Überfall auf die Ukraine so reagiert?

Warum hat er sein politisches Lebenswerk aufs Spiel gesetzt?

Als Schröder das Gespräch am liebsten beenden will, geht es gerade um die These, dass kein Politiker, kein Bürger, kein Journalist und erst recht kein ehemaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Russlands Angriffskrieg und seine dramatischen Folgen nur realpolitisch bewerten könne.

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