Le Corbusier

Der Vorreiter des Brutalismus

Kathrin Kessler
27.08.2025
© Imago
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Er war einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Sein Erbe: der rohe Beton, der „béton brut“, der dem Brutalismus seinen Namen. Le Corbusier, bürgerlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris, ist vor 60 Jahren verstorben. Er entwickelte Lebensräume, die heute als erste Beispiele brutalistischer Architektur gelten: nackter Beton, minimalistische geometrische Formen und klare Linien.

Portrait des Architekten Le Corbusier, ca. 1957 © imago

Neben seinen ikonischen Einzelbauwerken hat sich der schweizerisch-französische Architekt an einem unerwarteten Ort auf besondere Weise verewigt: Die Hauptstadt der indischen Bundesstaaten Punjab und Haryana, Chandigarh, ist eine vom ihm entworfene und erbaute Planstadt.

Seit 2016 Unesco-Weltkulturerbe: Der Kapitolkomplex in Chandigarh © imago

Nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 wurde Punjab zwischen Pakistan und Indien aufgeteilt. Lahore, die historische Hauptstadt der Provinz, fiel dabei an Pakistan. Indien brauchte also für seinen Teil des Punjab eine neue Hauptstadt. Die sollte, so die Vision des ersten indischen Premierministers Jawaharlal Nehru, das neue, aufstrebende Indien verkörpern, das sich von seiner kolonialen Vergangenheit löst: moderne Betonbauten statt koloniale Prunkvillen.

Verkörpern ist hier das richtige Stichwort: Le Corbusier entwarf die Stadt in Analogie zum menschlichen Körper. Der Kapitol-Komplex mit Gericht, Parlament und Verwaltung, seit 2016 Unesco-Weltkulturerbe, gehört zum Kopf der Stadt (Sektor 1), die Grünflächen zur Lunge, das Einkaufs- und Ausgehviertel zum Herzen (Sektor 17).

In der Stadt, die Le Corbusier für ursprünglich 500.000 Menschen vorsah, leben, erholen sich und arbeiten inzwischen mehr als eine Million Menschen. Vielleicht sah der Architekt das schon kommen, als er sagte:

Die Utopie ist die Realität von morgen.

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