Die Bundesliga will reicher werden

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Erstmals in der Geschichte will sich die Bundesliga einem Investor öffnen. Die Kritik ist breit. Die Vereine sind gespalten zwischen der Notwendigkeit höherer Einnahmen aus den TV-Rechten und dem Unmut der Fans. Ein Gegenvorschlag kommt nun aus Köln.

Es ist eine Entscheidung, die den deutschen Profi-Fußball für immer verändern könnte.

Weg vom sorgsam gepflegten Image einer bunten Ansammlung von Traditionsvereinen, hin zu einer straff geführten Profi-Liga, die von einem Investor dominiert wird.

Mehr Manchester City und Paris Saint Germain, weniger Union Berlin und St. Pauli.

Bei einer Mitgliederversammlung am 24. Mai sollen alle 36 Bundesliga-Vereine darüber entscheiden, ob sich ein Finanzinvestor dauerhaft an dem Geschäftsmodell Bundesliga beteiligen darf.

Es könnte der Anfang vom Ende der 50+1-Regel sein, nach der kein Verein in der Bundesliga mehrheitlich von einem Unternehmen oder Investor besessen werden darf.

Der Hintergrund: Die Deutsche Fußball-Liga, der Zusammenschluss der 36 Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga, will erstmals in der Geschichte der Bundesliga einen Groß-Investor zulassen. Es geht um Private-Equity-Gesellschaften, also die berühmten Heuschrecken, wie sie einst der frühere SPD-Vizekanzler Franz Müntefering nannte.

Sie sollen 20 Jahre lang 12,5 Prozent der Erlöse aus den TV-Rechten bekommen und dafür jetzt zwei Milliarden Euro geben.

Treiber der Entscheidung sind Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der zugleich Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist, und DFL-Interimsgeschäftsführer Axel Hellmann, der auch Vorstandschef bei Eintracht Frankfurt ist.

Die beiden Funktionäre sehen die Bundesliga finanziell auf verlorenem Posten im Vergleich zu den europäischen Ligen. Die spanische Liga und die französische Ligue 1 haben Kapital-Investoren zugelassen, in der Serie A in Italien gibt es Pläne dafür.

Man wolle nicht zusehen wie andere enteilen, sagten Hellmann und Watzke unlängst bei einer Diskussion mit Fans.

Derzeit bekommen die Bundesliga-Vereine rund 200 Millionen Euro für die TV-Übertragung der Spiele, Investoren sehen den Marktwert eigentlich bei 500 Millionen Euro.

Ligen wie die britische Liga vermarktet ihre Spiele weltweit für fast 1 Milliarde Euro.

Ein weiterer Grund für die Pläne: Die Pandemie hat tiefe Löcher in die Kassen vieler Clubs gerissen. Frisches Geld von privaten Investoren kann also helfen.

Zu den Unterstützern der Pläne gehören nach unseren Information viele der großen Vereine wie Bayern München, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, aber auch der VfB Stuttgart.

Der Plan der DFL sieht konkret vor:

  • Ein Investor zahlt der Liga 2 Milliarden Euro und erhält dafür 20 Jahre lang 12,5 Prozent der Erlöse aus dem Verkauf der TV-Rechte. Vier Investoren sind angeblich interessiert.

  • Eine Tochtergesellschaft der DFL soll diese TV-Rechte vermarkten - für deutlich höhere Summen vor allem im Ausland. Diese mögliche DFL Media könnte dann zu 20 Prozent auch dem Investor gehören, die Mehrheit soll aber bei der DFL liegen.

  • Mit dem Investoren-Geld soll eine eigene Streaming-Plattform aufgebaut werden und die Vereine mehr Geld für Nachwuchszentren und ihre Geschäftsstellen bekommen.

  • Die Vereine sollen über die Liga-Plattform auch unter der Woche Inhalte für Fans produzieren, der über die Streaming-Plattform angeboten werden könnte.

Am 24. Mai entscheidet eine Mitgliederversammlung aller 36 Klubs in den beiden Bundesligen. ob das Geschäft weiter vorangetrieben wird.

Doch der Widerstand ist groß. Die organisierte Fan-Szene fürchtet eine noch weitergehende Kommerzialisierung des Fußballs und einen weiter zersplitterten Spieltag.

BVB-Chef Watzke hat versprochen, dies vertraglich auszuschließen.

"Ich kämpfe nicht seit 20 Jahren für den Erhalt von 50+1, damit ich hier durch die Hintertür ein Trojanisches Pferd in die Bundesliga lasse, das alles, für das ich bis jetzt gestanden habe, konterkariert", sagte Watzke bei einer Diskussionsveranstaltung vor wenigen Tagen in Dortmund.

Die Kernaufgaben sollen weiter bei der DFL liegen, etwa der Spielplan oder der Auf- und Abstiegsmodus.

Doch die Fans glauben den Funktionären schon länger nicht mehr.

Schon die Verlegung von zwei Bundesliga-Spielen auf den Freitagabend, das 18.30-Uhr-Spiel am Samstagabend und die beiden Sonntagsspiele wurden vor Jahren gegen den Protest der Fans durchgesetzt.

Fans demonstrieren bei Union Berlin gegen einen Einstieg der Investoren beim DFL.  © dpa

Doch es gibt auch Vereine, darunter etwa St. Pauli, SV Darmstadt, der 1. FC Magdeburg oder der 1. FC Köln, die die Pläne kritisch sehen.

Die vermeintliche Alternativlosigkeit des Investoren-Einstiegs, sehen sie nicht.

„Wir verstehen und unterstützen die Grundannahme, dass die Bundesliga sich weiterentwickeln muss. Sie aber direkt mit dem Ruf nach einem Private-Equity-Unternehmen zu verknüpfen und das vorgeschlagene Modell als alternativlos darzustellen, das sehen wir nicht so", sagt der Vizepräsident des 1. FC Köln, Eckhard Sauren.

Der Fonds-Manager, der ehrenamtlich im Vereinsvorstand mitwirkt, sieht eine Fremdkapitalfinanzierung der DFL über eine gewöhnliche Bank als mögliche Alternative.

"Warum stellen wir keiner Bank die gleichen Daten zur Verfügung wie den Private-Equity-Unternehmen und lassen uns mal ein Alternativ-Angebot ausarbeiten. Selbst gegenüber den Investoren würde das die Verhandlungsposition verbessern", sagt er.

Die Hamburger Corporate Finance Contor, ein Mittelstandsfinanzierer, hat für die Kritiker schon mal berechnet, wie es gehen könnte. Mit einem Volumen von 4 Milliarden Euro könnte die DFL auf dem Kapitalmarkt bei nur 6 Prozent eine deutlich höhere Finanzierung zu niedrigeren Kosten erreichen, ohne Mitsprache eines Investors.

Bayern würde dann haften auch für Vereine. Bundesliga-Bonds.. würde ein solches Darlehen natürlich auch mit den höheren Zinsen aufgenommen werden.

Er findet die Aktion überstürzt. Bevor die Bundesliga eine so historische Entscheidung treffe, müsse sie die Frage als Liga beantworten, "für was wir stehen wollen".

Sauren weiter:

Ich kann den enormen Zeitdruck, der gerade aufgebaut wird, nicht verstehen.

Eckhard Sauren, Vermögensverwalter und Vizepräsident des 1. FC Köln.  © dpa

Auch glauben Sauren und die übrigen Kritiker nicht, dass ein Investor zwei Milliarden auf den Tisch liegen werde und dann keine Mitsprache verlangt.

"Es ist illusorisch, dass dieses Unternehmen dann keine Wege sucht, um dort Einfluss zu nehmen, wo die Kern-Wertschöpfung liegt", sagt Sauren.

Die Kritiker befürchten, dass mit dem Investoren-Modell die Schere zwischen den reichen und den ärmeren Clubs weiter auseinander klaffen würde, da sich die Verteilung der Gelder der Bundesligavereine an der Verteilung der TV-Gelder orientieren werde.

So oder so.

Die Bundesliga steht vor einer wegweisenden Entscheidung.

In diesen Tagen will die DFL die letzten entscheidenden Gespräche mit den Vereinen führen.