Corona-Quarantäne: Die nächtliche Wende

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Plötzlich sollte die Isolierung für Corona-Infizierte nur noch freiwillig sein. Karl Lauterbach preschte mit der Idee vor - und kassierte sie bei einem Talkshow-Auftritt rasch wieder ein. Eine Rekonstruktion.

Am frühen Mittwochmorgen um 2.37 Uhr ist es vorbei. "Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen", twittert SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Die Republik schläft, Lauterbach fährt fort:

Hier habe ich einen Fehler gemacht.

Es ist das Eingeständnis des Scheiterns, ein kurioser, schwerer politischer Fehler des SPD-Mannes. Er lässt grundsätzliche Fragen wieder aufkommen, die Lauterbach seit langem begleiten. Es ist die Grundsatzfrage danach, ob der anerkannte Fachmann auch das politische Handwerk so gut versteht, wie die Details der Gesundheitsversorgung.

Wir haben die Vorgänge der Woche rekonstruiert: Vom Austausch mit den Gesundheitsministern der Länder am Montag, einer turbulenten Fraktionssitzung am Dienstag im Plenarsaal des Bundestages, über Lauterbachs Fahrt ins Studio von Markus Lanz in Hamburg-Altona bis zum dann folgenden, nächtlichen Tweet des Ministers.Karl Lauterbach © Anne Hufnagl

Denn Lauterbachs Chaos hat unmittelbare, politische Folgen: Mit der Ankündigung für eine freiwillige Isolation bei Infektion brachte er ausgerechnet diejenigen in der SPD gegen sich auf, die sich gerade um einen Impfpflicht-Kompromiss bemühten. Am heutigen Donnerstag soll die Entscheidung im Bundestag fallen.

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