Automobilindustrie

Ferrari „Luce“: iPhone auf vier Rädern

Die Luxusautomarke Ferrari hat ihr erstes E-Auto präsentiert. Warum das Modell die Gemüter spaltet.
Elena Blüm
Heute
© Ferrari
© Ferrari

Das mit der Elektromobilität ist so eine Sache. Einerseits gilt sie als alternativlos, andererseits gibt es Marken, bei denen die Vorstellung eines E-Autos fast undenkbar wirkt – und entsprechend emotional diskutiert wird. Womit wir bei Ferrari wären.

Verheißungsvoll wurde das erste E-Auto-Modell der Luxusmarke aus dem italienischen Maranello auf den Namen „Luce“ getauft – zu Deutsch: Licht. Weniger erleuchtend als der Name wirkt für viele allerdings das Auto selbst.

Trotz vier E-Motoren – einer je Rad –, die zusammen eine Leistung von 1.050 PS erzeugen und das Auto in 2,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, wird im neuen Ferrari vor allem eines gesehen: Provokation.

Der neue Ferrari „Luce“ © Ferrari

Neues Modell, neues Konzept, neues Design: Obwohl Ferrari bekanntermaßen ja für heulende Motoren, rote Luxuskarosserien und italienische Leidenschaft steht, ist es nicht der Akku, der für Furore sorgt, sondern die Form.

Denn die erinnert manche Beobachter eher an ein „iPhone“ als an einen Rennwagen – oder an ein „Stück Seife“, wie Instagram-Nutzer unter dem Enthüllungspost des „Luce“ schreiben. Ersteres ist kein Zufall. Das Design des 550.000 Euro teuren Modells stammt nämlich ausgerechnet vom ehemaligen Apple-Chefdesigner: Jony Ive.

Jony Ive, ehemals Apple-Chefdesigner, mit Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung des iPhone XR, 2018 © Imago

Ive gilt als einer der einflussreichsten Produktdesigner der vergangenen Jahrzehnte. Weltbekannt wurde er als Chefdesigner von Apple, wo er gemeinsam mit Steve Jobs viele der ikonischsten Apple-Produkte geprägt hat. Sein Stil: radikal minimalistisch – wie bei Apple eben. Nur: Bei Ferrari wirkt genau diese Ästhetik für viele eher wie Verrat.

Dieser Ton prägt die Debatte – und selbst die Märkte reagieren nervös: Die Ferrari-Aktie rutschte an der Börse in Mailand zeitweise um rund sechs Prozent ab. Wie gut, dass Ferrari-CEO Benedetto Vigna die Kritik bereits einkalkuliert hatte. Zur Financial Times sagte er, er habe „keine Angst“ vor dem Echo auf das „unkonventionelle Modell“.

Die Geschichte der Automobilindustrie könnte ihm Recht geben: Gerade jene Designs, die anfangs als Fehlgriff gelten, bleiben später oft am stärksten in Erinnerung. Als der Porsche Cayenne 2002 vorgestellt wurde, sahen Marken-Puristen in ihm ebenfalls Verrat am Markenkern: Statt eines Sportwagens ein SUV?

Der Porsche Cayenne GTS © Imago

Doch heute ist der Cayenne extrem erfolgreich und gehört längst zu den Bestsellern.

Wie auch immer es mit dem „Luce“ weitergeht, ist eine Frage der Zukunft. Fakt ist: Es wird geredet – oder, wie Oscar Wilde schon in seinem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ von 1890 wusste:

Es gibt nur eines auf der Welt, das schlimmer ist, als dass über einen gesprochen wird: dass nicht über einen gesprochen wird.

Empfehlen Sie uns weiter

Sie können diesen Beitrag mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche teilen.