Erwartet, erhofft, gefürchtet: Immer wieder deutete US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen an, das Mullah-Regime im Iran militärisch angreifen zu wollen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war der Luftraum über dem Iran zwischenzeitlich gesperrt worden. Zur gleichen Zeit stiegen Tankflugzeuge von einer US-Militärbasis in Katar auf. Nun schicken die USA laut Medienberichten den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln samt Begleitschiffen in Richtung Nahost.
Welches Manöver des US-Präsidenten dahinter steckte, und ob er doch noch angreifen wird, ist in diesen Tagen noch Gegenstand von Spekulation. Was aber ein Militärschlag der USA gegen die Mullahs bedeuten würde, wie er technisch zu vollbringen wäre und wie der Verteidigungsapparat des Iran aufgestellt ist, hat meine Kollegin Chelsea Spieker heute Morgen im Pioneer-Podcast jemanden gefragt, der das US-Militär von innen kennt wie seine Westentasche:
Drei Fragen und drei Antworten mit Ben Hodges, Generalleutnant a.D. und Ex-Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa.
The Pioneer: Was könnte das Ziel einer US-Intervention im Iran sein?
Ben Hodges: Der Präsident möchte eine schnelle, saubere Aktion ohne eigene Verluste – Gewalt anwenden, den Sieg erklären und sich dann wieder zurückziehen.
Pioneer: Wie sind die iranischen Streitkräfte ausgerüstet, woher bekommen sie ihre Waffen?
Hodges: Der Iran hat eine eigene Rüstungsindustrie, die Langstreckenraketen herstellt – und auch andere Länder beliefert. Er hat also eine durchaus leistungsfähige Verteidigungswirtschaft. Man darf nicht vergessen: Es waren iranische Shahed-Drohnen, die Russland im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt hat. Die Revolutionsgarden sind nicht nur eine loyale militärische Kraft, sondern auch zutiefst korrupt. Sie kontrollieren große Teile der Wirtschaft und Gesellschaft des Landes. Diese Leute werden sich nicht einfach auflösen – sie kämpfen, solange sie glauben, dass sich das lohnt. Und ja, sie sind gut bewaffnet.
Pioneer: Welche strategische Rolle spielen US-Militärstützpunkte in Europa bei möglichen Operationen im Nahen Osten?
Hodges: Alles, was wir im Nahen Osten oder in Afrika tun – und natürlich in weiten Teilen Europas –, läuft letztlich über Ramstein. In der Türkei gibt es ebenfalls einen wichtigen Stützpunkt. Auch Aviano in Italien spielt eine zentrale Rolle. Ebenso haben wir dank unserer griechischen Partner Marineeinrichtungen auf Kreta, die für Operationen im Nahen Osten wichtig wären, etwa für Schiffe im östlichen Mittelmeer. Diese Beziehungen beruhen auf Vertrauen.