Irankrieg

Feuerpause im Iran

US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit der kompletten Zerstörung. Doch es kam anders: Teheran lenkte ein und öffnete die Straße von Hormus. Bald sollen direkte Verhandlungen beginnen. Die Märkte reagieren erfreut.
Mona Schnell, Lea-Katharina Krause
Heute
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Anders als Präsident Donald Trump es angekündigt hatte, kam es im Iran nicht zur Apokalypse. Grobschlächtig wie kein US-Präsident vor ihm kündigte er noch am Mittag via Truth Social an:

Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation untergehen, um nie wieder zurückzukehren.

Er wollte Iran ins „Steinzeitalter“ bomben, so Trump. Zuvor präzisierte er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus:

Jede Brücke im Iran wird bis morgen um 24:00 Uhr zerstört sein, und jedes Kraftwerk im Iran wird außer Betrieb sein, brennen, explodieren und nie wieder genutzt werden können. Ich meine eine vollständige Zerstörung bis 24:00 Uhr. Und das würde innerhalb von vier Stunden geschehen, wenn wir es wollten.

Tatsächlich verkündete der US-Präsident aber knapp anderthalb Stunden vor Ablauf des Ultimatums die Kehrtwende:

Trumps Truth-Social-Post zur Waffenruhe, 08.04.2026 © Truth Social

In Kürze: Auf Bitten des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif setze er die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen aus. Die Bedingung: der Iran solle die Straße von Hormus vollständig und sofort öffnen. Die militärischen Ziele seien bereits erreicht, ein langfristiges Friedensabkommen in Reichweite.

Die Bestätigung: Irans Außenminister Abbas Araghtschi kündigte daraufhin die Öffnung der Straße von Hormus an – in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen. Auch Israel will sich an die Waffenruhe halten.

Sofort wirksam: Pakistans Führung, die zwischen Washington und Teheran vermittelt hatte, erklärte die Waffenruhe für sofort wirksam und lud beide Delegationen für Freitag zu weiteren Gesprächen nach Islamabad ein.

Donald Trump bei der Pressekonferenz im Weißen Haus, 06.04.2026 © Imago

Wie es jetzt weitergeht: Der vom Iran vorgelegte Zehn-Punkte-Vorschlag ist nach Aussagen von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt Grundlage für die Verhandlungen.

Die Worte von Präsident Trump sprechen für sich: Dies ist eine praktikable Verhandlungsgrundlage, und diese Verhandlungen werden fortgesetzt.

Was genau in der Nacht passierte, bevor die Waffenruhe in Kraft trat, dürfte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth um 14:00 Uhr deutscher Zeit bei einer Pressekonferenz im Pentagon erläutern – gemeinsam mit Generalstabschef Dan Caine.

Startschuss fürs Geldverdienen: Trump rechnet nach der Einigung mit einem großen wirtschaftlichen Gewinn. „Es wird viel Geld verdient werden“, frohlockte der US-Präsident auf Truth Social.

Reaktionen der Märkte

Tatsächlich: Nach der Verkündung der Feuerpause sanken die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise deutlich. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent sackte um rund 16 Prozent auf circa 92 US-Dollar (rund 79 Euro) – der niedrigste Wert seit Mitte März. In den Stunden darauf erholte sich der Kurs für die Referenzsorte des weltweiten Ölmarkts etwas, lag aber mit 95,14 US-Dollar immer noch knapp 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag.

Hohes Niveau: Bei der für den US-Markt wichtigeren Sorte WTI fiel der Preisrückgang ähnlich aus. Beide Ölsorten kosten trotz des Rückgangs aber immer noch rund ein Drittel mehr als vor dem Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran.

Eine Infografik mit dem Titel: Ölpreis sinkt auf hohem Niveau

Entwicklung der Rohölpreise, in US-Dollar je Fass

Börse reagiert erfreut: Die ersten Reaktionen der Börsen sind positiv, die Kurse in Europa und Asien steigen kräftig.

  • Der Dax schnellte im frühen Mittwochshandel um 4,9 Prozent auf über 24.000 Punkte hoch. Damit eroberte er seine 200-Tage-Linie zurück.

  • Der japanische Leitindex Nikkei 225 legte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) um 5,4 Prozent zu.

  • Der südkoreanische Kospi lag zum selben Zeitpunkt um 8,3 Prozent im Plus. Die Börse in Südkorea musste aufgrund der starken Kursbewegung sogar vorübergehend den Handel aussetzen, um die extreme Volatilität zu dämpfen.

  • In Hongkong, Shanghai und Australien schlossen die Handelstage jeweils mit knapp drei Prozent im Plus.

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Veröffentlicht von Daniel Thomas Bayer.

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