Am Sonntag wurde in zwei Bundesländern gewählt: in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern. Mittlerweile haben die Wahllokale geschlossen, die Hochrechnungen liegen vor. Die wichtigsten Erkenntnisse bisher:
Linke: Historischer Wahlerfolg in Berlin
Mit 25,4 Prozent (Forschungsgruppe Wahlen, 20:14 Uhr) wird die Linke erstmals stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Unter Spitzenkandidatin Elif Eralp gelingt der Partei damit ein historischer Erfolg in der Hauptstadt. Eralp am Wahlabend:
Ich will Berlins Regierende Bürgermeisterin werden.
Ein oder zwei Bündnisse möglich
Am wahrscheinlichsten ist ein Rot-Grün-Rot-Bündnis aus Linken, Grünen und SPD unter Führung von Elif Eralp. Sollte das nicht zustande kommen, wäre eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen wahrscheinlich nur dann möglich, wenn das BSW den Einzug in den Landtag verpasst.
Die Linke hat Nichtwähler mobilisiert
Laut Infratest Dimap haben sich 75.000 frühere Nichtwähler diesmal für die Linke entschieden. Hinzu kommen 51.000 Wählerinnen und Wähler, die 2023 noch Grün gewählt hatten. Unter jungen Berlinern hat etwa die Hälfte die Links gewählt.
Mecklenburg-Vorpommern: AfD vorn, aber isoliert
Im Nordosten liefern sich AfD und SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die AfD mit 37,9 Prozent, knapp vor der SPD mit 35,7 Prozent (Forschungsgruppe Wahlen, 20:06 Uhr). Die CDU stürzt auf nur noch rund fünf Prozent ab, Linke, Grüne und BSW bewegen sich im niedrigen einstelligen Bereich. Trotz des historischen Ergebnisses bleibt die AfD isoliert: Keine der demokratischen Parteien ist bereit, mit ihr zu koalieren.
Regierungsbildung wird herausfordernd
Sollte das BSW es nicht in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern schaffen, kämen SPD, CDU und Grüne auf eine knappe Mehrheit im Landtag. Ein Einzug des BSW in den Landtag macht das Dreierbündnis voraussichtlich unmöglich.
Regierungsauftrag für Manuela Schwesig
Dass die SPD trotz eines schwierigen Umfelds so knapp hinter der AfD landet, liegt maßgeblich an Schwesig selbst. Die Hälfte der SPD-Wähler gibt an, die Spitzenkandidatin sei für ihre Wahlentscheidung ausschlaggebend gewesen. 61 Prozent der Mecklenburg-Vorpommerner sind zufrieden mit der Arbeit von Schwesig als Ministerpräsidentin. Und: Über 70 Prozent der SPD-Wähler im Bundesland finden es gut, dass Schwesig ihre eigene Partei im Bund krisitiert.
Manuela Schwesig nach der Landtagswahl am 20. September 2026 © ImagoAfD mobilisiert Nichtwähler und junge Wähler
Auch die AfD hat in Mecklenburg-Vorpommern 67.000 frühere Nichtwähler an die Urnen gebracht. Besonders deutlich zeigt sich der Rechtsruck bei den Jüngsten: Unter den Wählern unter 25 Jahren liegt die AfD mit 34 Prozent klar auf Platz eins.
Der Merz-Moment
Bundeskanzler Friedrich Merz trat kurz nach 18 Uhr in der CDU-Zentrale vor die Presse. Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern sei nicht schönzureden, sagte er: „es ist ein Desaster“. Die CDU sei dort zwischen SPD und AfD zerrieben worden. Am Reformkurs will er festhalten: „Die Reformen müssen kommen.“