Der Krieg in der Ukraine nähert sich seinem vierten Jahrestag. Große Geländegewinne sind auf beiden Seiten Fehlanzeige, weswegen die aktuelle Analyse des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) umso überraschender ausfällt. Demnach hat das ukrainische Militär in den vergangenen Tagen die größten Geländegewinne seit Juni 2023 erzielen können – 201 Quadratkilometer an der Zahl.
Zum Vergleich: Das zurückeroberte Gebiet entspricht fast den russischen Gebietsgewinnen im gesamten Monat Dezember.
Zeitgleich zeigt sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach den Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs in Genf offen für ein Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie. Einer solchen Einigung könnten die Ukrainerinnen und Ukrainer in einer Volksbefragung womöglich zustimmen, sagte Selenskyj. Im Wortlaut:
Präsident Wolodymyr Selenskyj © ImagoIch denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden. Das ist meine Meinung.
Wie kam es zu den ukrainischen Geländegewinnen? „Diese ukrainischen Gegenangriffe nutzen wahrscheinlich die jüngste Blockade des Zugangs russischer Streitkräfte zu Starlink aus, die laut russischen Militärbloggern zu Kommunikations- und Führungsproblemen auf dem Schlachtfeld führt“, erklärt das ISW.
Demnach habe Russland den Zugriff auf Elon Musks Satellitensystem Starlink verloren. Denn obwohl Starlink auf russischem Gebiet nicht verfügbar ist, umgingen laut Kiew russische Drohnen mit dessen Hilfe elektronische Störsysteme und konnten so ihre Ziele in der Ukraine präzise treffen.
Ohne die Nutzung von Starlink wurden in der vergangenen Woche laut dem ISW nur am 9. Februar russische Geländegewinne an der Front verzeichnet. An den übrigen Tagen konnte das ukrainische Militär vor allem im Südosten vorrücken.
Bereits Anfang Februar kündigte Musk auf X an:
Es sieht so aus, als ob unsere Maßnahmen zur Unterbindung der unautorisierten Nutzung von Starlink durch Russland erfolgreich waren.
So zeigt sich: Nicht mehr nur Panzer, Granaten, Gewehre und Drohnen entscheiden über den Krieg, sondern auch Technologien einzelner Milliardäre.