Der Auslöser
Inflation und Währungsverlust: Den Ursprung der landesweiten Demonstrationen gegen das Regime findet man Ende Dezember in den Basaren und Läden von Teheran.
Teherans Hauptbasar mit geschlossenen Geschäften, 06.01.2026 © dpaEine massive Wirtschaftskrise und ein anhaltender Absturz der landeseigenen Währung Rial sorgten dafür, dass die Händler am Grand Bazaar in Teheran – die traditionell die Islamische Republik unterstützen – ihre Geschäfte geschlossen hielten und auf die Straße gingen.
Zur wirtschaftlichen Einordnung: Seit dem zwölftägigen Krieg mit Israel im Juni hat der iranische Rial rund 40 Prozent seines Wertes verloren und zum Jahresende auf dem freien Markt ein Allzeittief von 1,45 Millionen pro US-Dollar erreicht. Der Währungsverfall hat sich auch dadurch beschleunigt, dass die Öl-Einnahmen des Landes durch Sanktionen der US-Regierung zurückgegangen sind. Dazu kommt eine gigantische Inflation von 42,2 Prozent im Dezember 2025.
Inzwischen gehen die Proteste jedoch weit über den wirtschaftlichen Frust hinaus. Die Demonstranten fordern ein Ende der autoritären Staatsführung der Islamischen Republik. Am vergangenen Donnerstag eskalierten die Unruhen und mündeten in Massenproteste, wie sie der Iran seit Jahren nicht mehr erlebt hat.
Das Ausmaß
Die jüngsten Proteste sind die größten seit 2022, als der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in der Obhut der Religionspolizei die weit verbreitete „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung auslöste. Begonnen in Teheran, haben sich die aktuellen Proteste auf große Teile des Landes ausgeweitet.
Laut dem Thinktank Institute for the Study of War (ISW) wurden seit Ende Dezember in allen 31 Provinzen Proteste unterschiedlicher Größe registriert.
Eine Infografik mit dem Titel: Proteste im Iran
Karte aller mutmaßlichen Protestorte im Iran am 10. Januar 2026
Wichtig zu wissen: Seit vergangenem Donnerstag hat das Mullah-Regime das Internet abgeschaltet und die Telefonverbindungen gekappt, wodurch nur erschwert Informationen aus dem Iran nach außen gelangen. Dementsprechend müssen auch die Berichte über die aktuelle Anzahl der Proteste bewertet werden, schreibt das ISW in einem aktuellen Bericht:
Die Protestdaten seit der letzten Datenunterbrechung spiegeln wahrscheinlich nur einen Teil der Protestaktivitäten wider, die seitdem im Iran stattgefunden haben.
Die Opfer
Nach Angaben der in den USA ansässigen NGO Human Rights Activists News Agency (HRANA) sind in der zweiwöchigen Protestwelle bereits mehr als 500 Menschen getötet worden, darunter 490 Demonstranten und 48 Sicherheitskräfte. Mehr als 10.600 weitere Menschen seien festgenommen worden.
Ob die Zahl realistisch ist, kann zu diesem Zeitpunkt nicht unabhängig geprüft werden. Zuvor hatte die NGO berichtet, dass bei den Massenprotesten bislang 203 Menschen getötet und mehr als 2.600 weitere festgenommen worden seien.
Wie der Axios-Korrespondent und CNN-Analyst Barak Ravid auf X mitteilte, würden die tatsächliche Opferzahl laut einem israelischen Regierungsbeamten bei mehr als 1.000 Menschen liegen.
Gewalt statt Dialog: Das iranische Regime geht mit Gewalt gegen die Protestierenden vor. Laut dem ISW hat das Regime die Demonstranten inzwischen nicht mehr als „Randalierer“, sondern als „Terroristen“ eingestuft – „wahrscheinlich, um ein weiteres hartes Vorgehen gegen die Proteste zu rechtfertigen“, schreibt das Institut.
Die USA sind auch mit von der Partie
Am Wochenende hat sich Donald Trump über Truth Social direkt an das iranische Regime gewandt:
Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!
Nächste Militäroperation? Laut Informationen der New York Times wurde Trump in den vergangenen Tagen bereits über Optionen für Militärschläge im Iran unterrichtet.
Wie CNN mit Verweis auf zwei US-Beamte nun berichtet, erwäge Trump eine Reihe möglicher militärischer Optionen gegen den Iran. Die verschiedenen Optionen – darunter auch nicht-militärische Schläge – konzentrierten sich demnach auf die Bekämpfung der Sicherheitskräfte Teherans, die zur Niederschlagung der Proteste eingesetzt werden. Außerdem prüfe man auch die Bereitstellung von Technologien wie Starlink, um einen Informationsblackout im Iran zu umgehen.
Donald Trump beim Treffen mit Ölbossen im Weißen Haus, 09.01.2026 © ImagoBei einem Treffen mit Ölmanagern im Weißen Haus sagte Trump am Freitag:
Ich habe ganz klar gesagt: Wenn sie wieder anfangen, Menschen zu töten wie in der Vergangenheit, werden wir eingreifen. Das bedeutet nicht, Bodentruppen einzusetzen, sondern sie dort hart zu treffen, wo es weh tut.
Und weiter:
I tell the Iranian leaders: You better not start shooting, because we’ll start shooting, too.
Die Antwort aus dem Iran: Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf drohte den USA mit Vergeltung:
Im Falle eines militärischen Angriffs durch die USA werden sowohl das besetzte Gebiet als auch die Zentren des US-Militärs und die Schifffahrt unsere legitimen Ziele sein.
Man würde sich nicht darauf beschränken, „erst nach erfolgter Handlung zu reagieren“, fügte er hinzu.
An Bord der Air Force One behauptete Trump in den vergangenen Stunden, Teheran habe Gesprächsbereitschaft signalisiert: Ein Treffen werde vorbereitet. Eine Bestätigung aus dem Iran gibt es bislang nicht.
Zur Erinnerung: Vor knapp einem halben Jahr hat Trump mit der Operation „Midnight Hammer“ bereits ein groß angelegtes Bombardement gegen die iranischen Atomeinrichtungen durchführen lassen.