Audio Essay: So habe ich das erste Mal von Europa erfahren

 © The Pioneer

Diana Kinnert beschreibt ihre ganz persönliche Wahrnehmung von einem Europa im Wandel der Zeit.

Ich bin 1991 in Wuppertal geboren. Die DDR kenne ich ausschließlich aus dem Geschichtsbuch. Ich bin in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, unweit der niederländischen Grenze.

Es war also 1998, und über die Fernseher flimmerten Balladen aus dem Balkan, britischer Pop, und eben: Guildo Horn. Guildo hat Euch lieb. Die deutsche Vertretung beim Grand Prix, dem ESC.

Ich war sieben Jahre alt, und ich erinnere sehr genau, wie wir um 22 Uhr Kolonne fuhren nach Venlo, nur 40 Minuten. Hinter der niederländischen Grenze wurden die Nokias eingeschaltet, Telefonzellen belagert, am Rasthof ein Festnetztelefon ergaunert.

Es war riesige Euphorie.

Größer war sie nur, als wir eine Stunde später wieder auf unserer Wohnzimmercouch saßen und die Niederländerin verkündete: 12 Punkte für Deutschland!

Guildo Horn beim Eurovision Song Contest 1998 © dpa

Mein erstes Sommermärchen. Ich war sieben Jahre alt, gerade hatte ich Europa kennengelernt.

So war mein Europa, das Europa für jemanden, der heute schon über 30 Jahre alt ist. Nur Wonne. Urlaube mit dem Hausboot in den Niederlanden, Fischen in Dänemark, Wandern in Österreich. Wir haben Familie in Polen besucht. Schüleraustausch in Lucca in Italien, danach Spanischunterricht in der Schule. Ich habe Städtetrips gebucht, meine erste Reise ohne Eltern ging nach Prag, die zweite nach Paris, die dritte nach Edinburgh. Später habe ich in Amsterdam studiert.

Lädt...