Business Class Edition: Krieg + Sanktionen = Hungerkrise

Guten Morgen,

es gibt zwei Arten von Kriegstoten. Den einen Typus kann man sehen und fühlen: Er liegt erschossen neben seinem Fahrrad in Butscha. Er verendet in den verkohlten Stümpfen seines ehemaligen Hauses. Er wird bei lebendigem Leibe von der tödlichen Fracht eines Kampfjets weggesprengt. CNN ist der Biograph dieser alltäglichen Brutalität des Krieges.

Ermordete Person im Raum Kiew © dpaMariupol © imago

Die Kriegstoten des zweiten Typs finden sich zehntausende von Kilometern entfernt vom militärischen Schauplatz in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Menschen, von denen hier die Rede ist, leiden an den Folgen eines europäischen Krieges, von dem sie nie oder nur bruchstückhaft gehört haben.

Ihr Himmel wird von keinem Kampfgeschwader verdunkelt, ihre Behausung bleibt intakt. Für ihr Schicksal interessiert sich kein CNN-Reporter und kein amerikanischer Präsident. Sie schaffen es nicht mal auf die Frontseiten der Nachrichtenportale und auch die „heavy rotation“ der TV-Sender, da wo die „Breaking News” ihre mediale Endlosschleife drehen, findet ohne sie statt.

Unterernährte Kinder im Süden von Madagaskar © dpa

Diese Menschen, über die ich mit Ihnen heute morgen sprechen möchte, sterben leise, aber nicht minder zahlreich. Und bevor sie sterben, hungern sie. Ihnen fehlen nicht Luftschutzbunker oder schwere Waffen. Ihnen fehlen Kalorien.

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