Business Class Edition: Prostitution: Wunsch und Wirklichkeit dt. Gesetze

Guten Morgen,

die Prostituierten in Deutschland sind die Opfer von Schleppern, Zuhältern und wohlmeinenden Politikern. Die nämlich wollten das Schicksal der Frauen verbessern und haben es zur Hölle gemacht.

Der Sachverhalt: Das rot-grüne Prostitutionsgesetz von 2002 sollte Frauen stärken und vor Ausbeutung schützen. Man wollte das Rotlichtmilieu liberalisieren und entkriminalisieren. Das Berufsbild einer sozialversicherten und juristisch abgesicherten Sexarbeiterin entstand.

Das hielt man damals für modern und emanzipatorisch. Sogar von einem Ausbildungsberuf als Sexarbeiterin war die Rede. Das Zuhältermilieu mit seiner diskreten Lobbyarbeit hatte – auch das gehört zur Wahrheit dazu – einen spektakulären Erfolg erzielt.

Mit dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 besserte die mittlerweile nicht mehr von Gerhard Schröder, sondern von Angela Merkel geführte Bundesregierung nach. Doch die Wirklichkeit hatte sich vom ursprünglichen Wunsch weit entfernt – und wurde auch durch die Reform der Reform nicht mehr erreicht.

 © ThePioneer

Inge Bell, die Vorsitzende des Deutschen Instituts für Angewandte Kriminalitätsanalyse und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Terre des Femmes, zieht ein ernüchterndes Fazit:

Deutschland besitzt eines der liberalsten Prostitutionsgesetze und gilt als ‚Bordell Europas‘ und als ‚Paradies für Menschenhändler‘. Dieser zweifelhafte Ruf, den sich Deutschland in den vergangenen 20 Jahren international erworben hat, ist das Ergebnis eines politischen Holzweges.

Fakt ist: In Deutschland war Prostitution bis 2002 sittenwidrig. Das dann verabschiedete und später novellierte Prostitutionsgesetz sollte die Rechte von Prostituierten stärken und legalisierte sexuelle Dienstleistungen.

Auf dem Papier sieht alles perfekt aus. Es gibt eine Anmeldepflicht und eine Gesundheitsberatung für Prostituierte, eine Erlaubnispflicht für das Prostitutionsgewerbe, eine Kondompflicht sowie ein Werbeverbot.

Doch die Fakten in einem Gewerbe, das den Menschen als Ware begreift und schätzungsweise 15 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland umsetzt, sprechen eine andere Sprache. Diese Fakten dementieren die guten Absichten:

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