Business Class Edition: SPD: Arbeiterpartei a.D.

Guten Morgen,

vor genau 50 Jahren feierte die SPD ihren größten Triumph. Bei 90 Prozent Wahlbeteiligung stimmten 45,8 Prozent der Wähler für die Sozialdemokraten und ihren damaligen Kanzler Willy Brandt. Das bedeutete – um in der Sprache der Börse zu sprechen – das historische All Time High der SPD.

Falls der heutige Kanzler Olaf Scholz, der deutlich weniger Euphorie auslöst, sich heute Morgen mit der Erklärung begnügen möchte, die Zeiten hätten sich nun mal geändert, kann er sich getrost wieder aufs Ohr legen. Das damalige Drei-Parteiensystem, das sich mittlerweile in ein Sechs-Parteiensystem verwandelt hat, sei Schuld, sagen sie gern bei der SPD. Oder anders gesagt: Früher hatte man Visionen, heute Ausreden.

Olaf Scholz © dpa

Falls Scholz aber interessiert an einer Ursachenforschung ist, die tiefer bohrt als es die journalistischen Bodentruppen der SPD in der Süddeutschen Zeitung am Wochenende taten, können wir ihm behilflich sein. Hier sind die sechs wichtigsten Gründe für den historischen Abstieg der SPD:

Willy Brandt beim SPD-Parteitag 1971 © imago

1. Die Brandt-SPD war eine Aufsteiger-Partei, die das Erhard'sche Versprechen vom „Wohlstand für alle“ bis tief in die Facharbeiterschaft hinein einlösen wollte. Dieser Fokus auf die kleinen Leute, die erst noch zu den großen Leuten aufrücken wollten, war der USP, der Unique Selling Point, der damaligen SPD.

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