vor 70 Jahren träumte Ungarn einen großen Traum – den von der Freiheit. Mein Vater, damals Chemiestudent in Budapest, träumte mit.
Am Abend des 22. Oktober 1956 drängen er und Tausende von Studenten in die Aula der Technischen Universität Budapest. Bis tief in die Nacht formulieren sie eine Erklärung. Sie fordern darin den Abzug der sowjetischen Truppen, Meinungsfreiheit, geheime Wahlen und den Abriss des monströsen Stalin-Denkmals.
Am nächsten Tag marschieren die Studenten durch die Innenstadt, um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Aus ein paar Tausend werden im Lauf des Nachmittags Zehntausende, am Abend stehen rund 200.000 Menschen vor dem Parlament. Albert Camus ist im Geiste dabei:
Qu’est-ce qu’un homme révolté? Un homme qui dit non.
Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der nein sagt.
Die Demonstranten schneiden das kommunistische Wappen aus der rot-weiß-grünen Fahne. Die Fahne mit dem Loch weht in den folgenden Tagen über der ganzen Stadt. Das Loch gibt den Himmel über Budapest frei. Es wird zum Symbol der Sehnsucht, frei zu sehen, frei zu denken, frei zu fühlen.
Aufstand in Budapest: Ein Kämpfer vor einer Fahne mit ausgeschnittenem Wappen, 1956 © ImagoDie Demonstranten legen Stahlseile um die acht Meter hohe Bronzefigur von Stalin und befestigen diese an Lastwagen. Um 21.37 Uhr fällt Stalin.
Die Menge zerlegt den Bronzeschädel mit Schneidbrennern und Vorschlaghämmern in seine Einzelteile. Mein Vater zerlegt mit. Ein Stück Stalin landet in seiner Jackentasche und steht 70 Jahre später – weithin unbeachtet – im Bücherschrank des Charlottenburger Studios von The Pioneer.
Wenn dieses Stück Bronze erzählen könnte, würde es von den ersten Schüssen vor dem staatlichen Rundfunkgebäude erzählen, wohin die Studenten jetzt zogen. Die Studenten wollen ihre Erklärung im Radio verlesen. Die Staatssicherheit eröffnet am Abend des 23. Oktober 1956 das Feuer.
Aus der Sehnsucht nach Freiheit wird jetzt ein Aufstand gegen die Unfreiheit. Die Studenten ziehen weiter zur Kilián-Kaserne, zur Radetzky-Kaserne und zum Waffenlager in der Timót utca. Die Bewaffnung der Aufständischen beginnt. Noch in dieser Nacht rollen sowjetische Panzer in die Innenstadt von Budapest.
Aufständische stürzten das Stalin-Denkmal in Budapest, 1956 © ImagoAuch mein Vater schult jetzt um – von Bunsenbrenner und Liebigkolben auf Gewehr und Patrone. „Hast du damit jemanden erschossen?“, will ich als Sechzehnjähriger von ihm wissen. Mein Vater wird einsilbig. „Es war dunkel draußen“, sagt er.
Am 29. Oktober hellt sich die Lage auf und das Wunder von Budapest geschieht. Die Sowjets sind verunsichert ob der Entschlossenheit der Bevölkerung. Die Panzer ziehen sich zurück. Die Studenten feiern ihren Triumph.
Zu früh gefeiert: Sechs Tage später, am 4. November 1956, um drei Uhr früh, erfolgt die Kehrtwende. US-Außenminister John Foster Dulles hatte zuvor erklärt, die USA betrachteten die Staaten Osteuropas nicht als potenzielle militärische Verbündete. Washington ließ diese Botschaft gezielt nach Moskau übermitteln. Damit wusste der Kreml, dass er freie Hand hat.
Die Panzer kehren mit massiver Verstärkung ins Stadtzentrum von Budapest zurück. Mehr als 1.000 Kettenfahrzeuge, über 30.000 Soldaten. Das Blutbad der ungarischen Geschichte beginnt.
Sowjetische Panzer in der Innenstadt Budapests, 1956 © ImagoUm 5.20 Uhr spricht der Reformer Imre Nagy – der auf Drängen der Studenten eingesetzte Ministerpräsident – ein letztes Mal im Radio. Die Hoffnung auf amerikanische Hilfe, die Radio Free Europe tagelang genährt hatte, erfüllt sich nicht. Rund 2.500 Ungarn und etwa 700 sowjetische Soldaten verlieren jetzt ihr Leben. Das von Imre Nagy endet 1958 am Galgen.
Ungarische Flüchtlinge, November 1956 © ImagoMein Vater wird binnen kürzester Zeit vom Aufständischen zum Flüchtling, einer von rund 200.000 Ungarn, die das Land nun sturzartig verlassen. Die Mutter sah ihren ältesten Sohn nie wieder. Seine sieben Geschwister warteten anderthalb Jahrzehnte auf ein Wiedersehen.
Budapest nach den Straßenkämpfen, 1956 © Erich Lessing/Tyrolia Verlag (via Spiegel)Der Pulverdampf des Ungarnaufstands hat sich verzogen. Zurück bleibt eine Vergangenheit, die nicht vergeht.
Denn der alte Lehrsatz der Außenpolitik, Länder besitzen keine Freunde, sondern Interessen, materialisierte sich in Ungarn und tut es heute erneut in der Ukraine.
Washington will keinen Krieg mit einer Atommacht, was mein Vater als Student empörend und später einleuchtend fand. Deshalb wurde aus ihm kein Kalter Krieger, sondern ein Anhänger von Willy Brandt und seiner Entspannungspolitik.
Hier die drei Lehren – seine und meine – aus dem, was geschah:
#1 Auf Amerika ist kein Verlass
Die Großmächte hatten sich – damals unter Nikita Chruschtschow und Dwight D. Eisenhower, so wie heute unter Donald Trump und Wladimir Putin – die Einflusssphären und damit die Länder untereinander aufgeteilt. Deshalb blieben der Arbeiterprotest in der DDR im Juni 1953, der Ungarnaufstand vom Oktober 1956, der Mauerbau des August 1961 und der Prager Frühling 1968 militärisch seitens der USA unbeantwortet.
Wladimir Putin und Donald Trump beim Treffen in Alaska, 15.08.2025 © ImagoSicherheitszusagen und Solidaritätsbekundungen der USA sind nur so viel wert wie die Bereitschaft, sie einzulösen. Die Ukraine und ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj erfahren das in diesen Tagen aufs Neue. Amerika hat die Kriegsfinanzierung weitgehend eingestellt und kauft bei Putin wieder Diesel. Ohne seine europäischen Partner wäre Selenskyj dem Galgen näher als dem Sieg.
#2 Europa muss sich um Europa kümmern
Freispruch für Trump: Es gibt von der amerikanischen Bevölkerung kein Mandat für einen europäischen Krieg. Das galt damals, als Eisenhower mit seinem Slogan „Peace and Prosperity“ inmitten des Ungarnaufstandes triumphal (57 Prozent) wiedergewählt wurde. Das gilt für Trump und jeden demokratischen Präsidenten nach ihm.
Das bedeutet, Europa muss nicht zuerst seine Bananen, Glühbirnen und weitere Nebensächlichkeiten harmonisieren, sondern seine Armeen. Die Zeit drängt. Putin hat in Estland, in Polen und am Leipziger Flughafen damit begonnen, den Westen zu testen. Artikel 5 des Nato-Vertrages – einer für alle, alle für einen – kann uns beruhigen, aber wird uns nicht retten.
#3 Die Stunde der Diplomatie
Das Kalkül der Amerikaner, nicht in europäische Konflikte einzugreifen, öffnete damals die Tür für eine europäische Außenpolitik. Die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Kohl haben das besser verstanden als ihre Nachfolger.
Brandt betrieb seine Entspannungspolitik mit Leonid Breschnew, Helmut Kohl seine mit Michail Gorbatschow. Der eine bekam den Grundlagenvertrag, das Passierscheinabkommen und die Menschenrechtserklärung von Helsinki, der andere die gesamte DDR.
Breschnew und Brandt bei einem Staatsbesuch in Bonn, Mai 1973 © ImagoDie Gesprächsdiplomatie, nicht als Ersatz für das Militärische, aber als gleichberechtigte Ergänzung, hat sich für Deutschland ausgezahlt. Die Steingart-Familie war damals dreigeteilt – in einen ungarischen Teil (väterlicherseits), einen ostdeutschen Teil (mütterlicherseits) und einen West-Berliner Teil (da, wo ich geboren wurde).
Dass diese drei Teile nicht erst im Himmel, sondern noch auf Erden zusammenfanden, war das Ergebnis von Politik. Mein Vater empfand Brandt daher auch nicht als Kanzler, sondern als Geschenk.
Eine Politik, die Drohgebärde mit Diplomatie verbindet, die mit Sticks and Carrots arbeitet, fehlt heute. Überall Stöcke. Und keine Karotte weit und breit.
Im Kontrast sieht man klarer: Willy Brandt war im Kreml, Friedrich Merz schafft es immer nur bis nach Kiew. Brandt hatte Egon Bahr und Walter Scheel, Merz hat da niemanden. Außer einen SPD-Verteidigungsminister, der Deutschland „kriegsttauglich“ machen will. Mit Putin könne man nicht reden, sagen die beiden.
Fazit: Die Sehnsucht nach Freiheit muss bewaffnet sein, und doch lässt sie sich allein mit Gewehren nicht stillen. Damals nicht und heute nicht. Wer den Rückruf in die Geschichte des Kalten Krieges verhindern will, muss der Geschichte zuhören. Mein Vater ist verstummt, aber die ungarische Geschichte spricht zu uns, wenn auch nur noch sehr leise.
Sehnsucht nach Freiheit
Auch der Musiker Leslie Mandoki floh aus dem kommunistischen Ungarn nach Deutschland, wo er als Musikproduzent bis heute erfolgreich ist.
Nun hat er ein Buch und einen Film über die Geschichte seines Heimatlandes veröffentlicht: „Sehnsucht nach Freiheit“ wurde am Freitag vor 120 geladenen Gästen auf den beiden Pioneer-Schiffen vorgestellt.
Das Buch erscheint heute bei Herder und kann auch im Pioneer-Shop bestellt werden. Es geht um den Ungarnaufstand und dessen Bedeutung für alles, was später kam: Die Wiedervereinigung mit angeschlossener Implosion des Warschauer Paktes.
Peter Maffay, Gabor Steingart, Leslie Mandoki und Till Brönner auf der Pioneer Two, 16.10.2026 © Benjamin ZibnerBeim Fahren über die Spree haben wir über die Lehren von damals diskutiert – hier geht es zum Sonderpodcast, der auch die Lehren, die mein Vater und ich aus dem Ungarn-Aufstand ziehen (siehe oben), vertont hat. An Bord spielten Peter Maffay, Till Brönner, Tony Carey und Leslie Mandoki Stücke, die ihre gemeinsame Sehnsucht nach Freiheit zum Ausdruck bringen: Imagine. Über sieben Brücken mußt du gehn. Daydream. Zum Konzertmitschnitt geht es hier entlang.
Peter Maffay beim Konzert auf der Pioneer One, 16.10.2026 © Benjamin ZibnerLeslie Mandoki beim Konzert auf der Pioneer One, 16.10.2026 © Benjamin ZibnerTill Brönner beim Konzert auf der Pioneer One, 16.10.2026 © Benjamin ZibnerDas Buch spannt den Bogen von den Tagen des Budapester Aufstands über die Umbrüche von 1989 bis zu den Fragen von Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt im heutigen Europa. Dazu beigetragen haben unter anderem Michail Gorbatschow, Gregor Gysi, Armin Laschet, Edmund Stoiber, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Reiner Haseloff, Ilse Aigner, Charlotte Knobloch, Erich Sixt, Tom Buhrow und Bodo Hombach.
Chelsea Spieker auf der Pioneer Two, 16.10.2026 © Gregor Matthias ZielkePioneer One im Berliner Westhafen, 16.10.2026 © Benjamin ZibnerUnsere Highlights heute
Von „Made for Germany“ zu „Invest in Germany“: Die Regierung lädt zum Investieren ein.
Über die Selbstdarstellung in der Kunst.
Chinas Wachstumszahlen, Quartalszahlen und EU-Handelsminister in Dublin: Termine, die diese Woche wichtig sind.
Aus der Nacht
Russlands Präsident Wladimir Putin will nach Informationen des Wall Street Journal im November mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping über ein Ende des Ukrainekriegs verhandeln – ohne Beteiligung der Ukraine und Europas.
Das Treffen könnte am Rande des Apec-Gipfels in China stattfinden. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte Gespräche über einen möglichen Gipfel. Trump hat allerdings noch nicht zugesagt.
Aus der Hauptstadt
„Ich kann das nicht ausschließen.“ So antwortet der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil im ARD-Bericht aus Berlin auf die Frage, ob er für den SPD-Parteivorsitz kandidieren werde. Das Rennen um die SPD-Spitze nimmt damit Fahrt auf.
Doch zunächst steht eine andere wichtige Personalentscheidung an: In ihren Gremiensitzungen morgen früh bestimmt die SPD, wer Bärbel Bas nach ihrem Rücktritt im Koalitionsausschuss nachfolgt.
Auch Kanzler Friedrich Merz dürfte genau hinschauen. Denn die Personalie gilt als Richtungsentscheidung: Wie hart wird die SPD bei den anstehenden Reformen gegenüber der Union auftreten? Unser Pioneer-Politikchef Jan Schroeder hat sich in der Partei umgehört. Seine Analyse lesen Sie im Hauptstadt Briefing.
Merz und die Parteijugend
Anders als im vergangenen Jahr brachte der Deutschlandtag am vergangenen Wochenende keine Kontroverse zwischen dem Kanzler und der Jungen Union. Dafür gibt es zwei Gründe:
Erstens: Wie meine Kollegin und Pioneer-Chefreporterin Karina Mößbauer hört, hatte der Kanzler die Junge Gruppe, also die 20 Bundestagsabgeordneten der Jungen Union unter dem Vorsitz von Pascal Reddig, am Dienstagabend vergangener Woche zu einem Abendessen ins Kanzleramt eingeladen. Zweieinhalb Stunden nahm der Kanzler sich Zeit, um die Stimmungslage der jungen Fraktionsmitglieder festzustellen, Botschaften und Interessen zu synchronisieren.
Friedrich Merz und Johannes Winkel beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn, 17.10.2026 © ImagoZweitens kämpft der Kanzler aktuell für die Rentenreform – und zwar so, wie sie die Kommission auf den Tisch gelegt hat. Damit kämpft er für ein Anliegen der JU, während er im vergangenen Jahr noch die Stabilisierung des Rentenniveaus gegen die eigenen Leute durchgedrückt hatte.
Fazit: Unsere Chefkorrespondentin Politik, Karina Mößbauer, geht davon aus, dass JU und Kanzler damit noch immer nicht im Gleichschritt marschieren. Aber: „Sie haben einen Burgfrieden geschlossen.“
Investitionsgipfel
Nach „Made for Germany“ kommt „Invest in Germany“: Als Willkommenssignal an potenzielle Geldgeber für den Wirtschaftsstandort Deutschland lädt die Bundesregierung heute und morgen nach Berlin zum „Invest in Germany Summit“ ein.
Etwa 550 Einladungen gingen dafür an internationale Unternehmen, Finanzinvestoren, führende deutsche Unternehmen und Start-ups raus. Auf Wirtschaftsseite stehen als „Selected Business Co-Hosts“ unter anderem die CEOs Larry Fink (BlackRock), Christian Sewing (Deutsche Bank) und Roland Busch (Siemens), die jeweils bei den Gesprächen mit den Ministern dabei sind.
Den offiziellen Auftakt macht Bundeskanzler Friedrich Merz heute Abend mit einer Rede.
Die Ausgangslage: Mit einem Wachstum von nur 0,2 Prozent im vergangenen Jahr lechzt die deutsche Wirtschaft nach ausländischen Investitionen.
Eine Infografik mit dem Titel: Gesucht: Ausländisches Kapital
Anzahl der von ausländischen Unternehmen in Deutschland angekündigten Investitionsprojekte (Neuansiedlungen und Erweiterungen)
Angestauter Unmut: Aus der Pharmaindustrie sagte nur Sanofi-Chefin Belén Garijo zu, wie das Handelsblatt berichtete. Die Chefs von Pfizer und Co. sagten nach der Bekanntgabe der Sparpläne im Gesundheitswesen ab – sie würden langfristige Investitionen und Planungssicherheit gefährden.
Rückenwind für Merz: Laut Handelsblatt trifft der Kanzler vor seiner Auftaktrede am Abend den Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt, Jensen Huang. Mit Nvidia sei eine Kooperation zu KI-Modellen für Fabriken geplant.
Termine der Woche
Als Entscheider in Wirtschaft und Politik sollten Sie diese Termine im Blick behalten.
Montag, 19. Oktober 2026
China hat heute Morgen um 4.00 Uhr deutscher Zeit neue Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit die Erwartungen von 4,4 Prozent. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 4,3 Prozent gelegen. Auch die September-Zahlen fielen besser aus als prognostiziert: Die Industrieproduktion stieg um 5,5 Prozent (erwartet: 5,4 Prozent), die Einzelhandelsumsätze legten um 1,1 Prozent zu (erwartet: 0,5 Prozent). Während die Industrie vor allem von starken Exporten profitiert, bleibt die Binnennachfrage schwach.
In Berlin findet der Invest in Germany Summit statt. Bundeskanzler Friedrich Merz diskutiert mit Unternehmensvertretern über Investitionen und den Standort Deutschland, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erhält den neuen Standortbericht der Initiative „Made for Germany“.
In Berlin entscheiden SPD und Grüne nach Sondierungsgesprächen mit der Linken über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.
Dienstag, 20. Oktober 2026
Großbritannien veröffentlicht neue Arbeitsmarktdaten. Erwartet wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,9 auf 5,0 Prozent.
In Schwerin tritt der neu gewählte Landtag von Mecklenburg-Vorpommern erstmals zusammen. Auf der Agenda stehen unter anderem die Wahl des Landtagspräsidenten. Angekündigt ist auch die Einsetzung eines Corona-Untersuchungsausschusses.
Anleger blicken auf Quartalszahlen von Netflix, General Motors, GE Aerospace, 3M, Northrop Grumman, RTX, United Airlines und Telekom Austria.
Mittwoch, 21. Oktober 2026
Bei der offiziellen Eröffnung des Berlin Global Dialogue hält Bundeskanzler Friedrich Merz eine Rede vor internationalen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Beim Elmau Strategy Summit treffen sich die Innenminister Deutschlands, Frankreichs und Italiens. Im Fokus stehen organisierte Kriminalität, hybride Bedrohungen und Radikalisierung.
Eurostat veröffentlicht neue Daten zu Staatsdefiziten und Staatsschulden in der EU.
Anleger blicken auf Quartalszahlen von Tesla, Meta, SAP, IBM, Texas Instruments, AT&T, Lam Research, Danaher und Moody’s.
Donnerstag, 22. Oktober 2026
Die EU-Handelsminister kommen zu einem informellen Treffen in Dublin zusammen. Im Mittelpunkt stehen die europäische Handelspolitik und die Positionierung der EU in einem zunehmend protektionistischen globalen Umfeld.
In Berlin treffen sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder zu ihrer Konferenz und beraten über zentrale gemeinsame Positionen der Bundesländer.
Ebenfalls in Berlin beginnt die Jahrestagung des Forum for Macroeconomics and Macroeconomic Policies mit mehreren hundert Ökonomen und wirtschaftspolitischen Experten.
Anleger blicken auf Quartalszahlen von Procter & Gamble, Lockheed Martin, Blackstone, Barclays, Honeywell, Nokia, Newmont und Kühne + Nagel.
Freitag, 23. Oktober 2026
Deutschland, der Euroraum, Großbritannien und die USA veröffentlichen ihre vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Oktober. Für Deutschland liegt der Industrie-PMI zuletzt bei 53,9 Punkten, der Gesamtindex bei 53,8 Punkten.
Die EZB veröffentlicht ihre neue Consumer Expectations Survey für September und damit aktuelle Daten zu den Inflations-, Einkommens- und Konjunkturerwartungen der Verbraucher.
In München beginnt der CSU-Parteitag. Parteichef Markus Söder hält zum Auftakt seine Rede.
Märkte am Montag
Die Wall Street ist mit deutlichen Verlusten ins Wochenende gegangen: Der S&P 500 gab am Freitag 1,1 Prozent nach, der Nasdaq rund 2,1 Prozent. Der Dax stemmte sich gegen den Trend und schloss 0,95 Prozent höher bei 25.622,61 Punkten.
Zum Wochenauftakt zeichnet sich an den US-Börsen eine Erholung ab: Die S&P-500-Futures steigen um rund 0,8 Prozent, die Nasdaq-Futures um rund 1,3 Prozent. In Asien ist das Bild uneinheitlich: Der Nikkei verliert rund 1,2 Prozent, während sich der Kospi von anfänglich mehr als drei Prozent Verlust erholt und nun rund 0,5 Prozent zulegt. Auch Shanghai gewinnt rund 0,2 Prozent.
Die Ölpreise geben nach: Brent fällt um rund 1,7 Prozent auf knapp 108 US-Dollar je Barrel. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sinkt auf rund 5,06 Prozent.
Porträts in der Berliner Gemäldegalerie
Die Kunst der Selbstdarstellung ist keine Erfindung von Instagram. Seit Jahrhunderten lassen sich Menschen porträtieren und bestimmen dabei mit, wie sie von der Nachwelt gesehen werden wollen. Wie sich die Vorstellungen von Schönheit und Identität im Laufe der Zeit verändert haben, zeigt die neue Ausstellung „Porträts!“ in der Berliner Gemäldegalerie.
Ausstellungsplakat 2026 © Staatliche Museen zu BerlinRund 90 Werke aus sechs Jahrhunderten treffen hier aufeinander. Das Besondere: Die Gemälde werden paarweise gegenübergestellt. So entstehen überraschende Dialoge zwischen Künstlern, die Jahrhunderte voneinander trennen.
Ausstellungsansicht © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Katrin HammerEtwa zwischen dem Renaissance-Meister Sandro Botticelli und der Art-déco-Ikone Tamara de Lempicka. Während Botticellis Porträts die Schönheitsideale und gesellschaftlichen Konventionen des 15. Jahrhunderts widerspiegeln, inszenierte Lempicka ihre Figuren in den 1920er- und 1930er-Jahren als selbstbewusste, moderne Persönlichkeiten.
Porträts von Botticelli (1478) und de Lempicka (um 1931) © Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders; Jochen Littkemann / VG Bild-Kunst 2026Ganz anders ein zweites Bildpaar: Sofonisba Anguissola porträtierte 1557 ihre Mutter Bianca, rund 370 Jahre später malte Eugen Spiro seine Ehefrau. Beide Bilder verbindet ein vertrauter Blick zwischen Künstler und Modell. Hier geht es nicht um die Inszenierung von Macht, sondern um persönliche Nähe und Verbundenheit.
Damenporträts von Anguissola (1557) und Spiro (1929) © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders | Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie / VG Bild-Kunst, Bonn 2026Bei aller Kritik an den Selfies und weiteren Eitelkeiten unserer Zeit lernen wir in dieser Ausstellung eines: Porträts waren und sind ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation.
Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Start in diese neue Woche. Bleiben wir einander gewogen. Herzlichst grüßt Sie,
Ihr