„Man kann der Geschichte nicht entgehen“
Volker Schlöndorff über „Heimsuchung“, die Macht der Erinnerung und die Schatten der Geschichte.
Inhalte
Ein Haus am See, ein Jahrhundert deutscher Geschichte und die Sehnsucht nach einem Glück, das sich von den politischen Umbrüchen nicht aufhalten lässt.
Im Gespräch mit Gabor Steingart spricht der Regisseur Volker Schlöndorff über seinen neuen Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jenny Erpenbeck. Im Mittelpunkt steht ein Sommerhaus in Brandenburg, dessen wechselnde Bewohner die großen Brüche der deutschen Geschichte erleben: Nationalsozialismus, Krieg, Flucht, Enteignung und DDR. Schlöndorff erzählt, warum ihn gerade dieser Stoff so berührt hat, wie er die komplexe Romanvorlage für das Kino neu geordnet hat und weshalb in seinem Film auch Erinnerungen an die eigene Kindheit stecken.
Es geht um Heimat und Verlust, die Sehnsucht nach Geborgenheit und die erschreckende Gleichgültigkeit, mit der Menschen das Leid ihrer Nachbarn hinnehmen können. Schlöndorff spricht aber auch über seine eigene Lebensgeschichte, die Freude am Filmemachen und darüber, warum er trotz seines Alters noch lange nicht ans Aufhören denkt.
Und der Blick richtet sich auf die Gegenwart: auf politische Polarisierung, den Umgang mit Andersdenkenden und eine Gesellschaft, in der nach Schlöndorffs Beobachtung Geld und Konsum immer mehr zum Maßstab werden. Trotz aller Krisen plädiert er für Zuversicht, Offenheit und die Bereitschaft, mit jedem Menschen ins Gespräch zu kommen.
Ein Gespräch über die Macht der Geschichte, die Vergänglichkeit des Glücks und die Kunst, den Augenblick zu leben.
Redaktion: Eleanor Cwik & Stefan Rupp
Produktion: Milan Rottinger