Kolumne "Situation Room": Wie damals nach dem Balkan

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Die Folgen des katastrophalen Ende des Afghanistan-Einsatzes sind noch nicht diskutiert. Muss Europa die Lücken schließen, die die USA hinterlassen? Ganz neu ist diese Frage nicht - Pläne für eine eigene Krisenreaktionstruppe gab es schon einmal.

Nicht einmal den Flughafen Kabul hätten die Europäer ohne die amerikanische Militärmacht selbständig sichern können, hört man heute als letzte Jammer-Erfahrung aus der aktiven Afghanistan-Ära. Allerdings wären wir ohne die Amerikaner wahrscheinlich auch nicht für zwei Jahrzehnte nach Afghanistan gegangen.

Und ohne Trumps bedingungslosen Rückzugs-Deal mit den Taliban vom Februar 2020 und Bidens krassen Exit-Zeitplan auch nicht so Hals über Kopf aus der Verantwortung für Menschenrechte, Nationbuilding und Terrorbekämpfung ausgeflogen. Das Motto "Weg mit Schaden!“ passt nicht zu uns.

Trump-Sonderbeauftragter Zalmay Khalilzad (links) besiegelt im Februar 2020 den Vertrag mit den Taliban. © diplomatist.com

Nun ist das Aufgeben der am Hindukusch gehaltenen, immer umkämpften strategischen Position kein Befreiungsschlag geworden, sondern für den Westen einen geopolitische Katastrophe mit Ansage. An Warnungen aus Diplomatie und Thinktank-Welt hat es nicht gefehlt.

So macht die Frontbegradigung im Mittleren Osten (die US-Mission im Irak soll ebenfalls 2021 enden) Amerika jetzt gerade nicht den Rücken frei für die heute wesentlichen, die klassisch-symmetrischen Bedrohungen der Sicherheit durch China und Russland, sondern vergrößert vielmehr die Zahl der unkontrollierten, weiterwuchernden Konfliktherde weltweit, untergräbt das Vertrauen in die amerikanische (bzw. generell die westliche) Glaubwürdigkeit und vermehrt die Einflusssphären der anti-westlichen Player.

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