Drei Anmerkungen zum gestern erschienenen Aufrüstungs-Bericht des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri), die bisher wenig Beachtung fanden.
#1 Deutschland wird in Europa zum neuen Hegemon.
In absoluten Zahlen hat Deutschland mit seinen fast 114 Milliarden US-Dollar Militärausgaben das Vereinigte Königreich vom vierten Platz im weltweiten Vergleich verdrängt. In der EU steht die Bundesrepublik damit an erster Stelle – und zwar mit deutlichem Vorsprung.
Eine Infografik mit dem Titel: Deutschland: Europas Aufrüster Nr. 1
Militärausgaben der EU-Staaten im Jahr 2025, in Milliarden US-Dollar
#2 Rüstungsinvestitionen engen staatliche Spielräume ein.
Mehr Geld fürs Militär heißt auch: An anderer Stelle fehlt es. Wenn Staaten ihre Rüstungsausgaben hochfahren, bleibt weniger für Infrastruktur, Bildung oder Soziales – oder sie müssen Steuern erhöhen. In der Praxis passiert laut Internationalem Währungsfonds allerdings etwas anderes: Die Schulden steigen. Das Problem wird damit nur vertagt – und an die nächste Generation weitergereicht.
Schulstreik zur Wehrpflicht, 05.03.2026 © Imago#3 Die Gesellschaft will Aufrüstung, aber keine Militarisierung.
Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts befürworten siebzig Prozent der Deutschen Verteidigungsausgaben in Höhe von drei Prozent des BIP oder mehr. Sechzig Prozent sind dafür, die Bundeswehr personell aufzustocken.
Gleichzeitig stellen jetzt schon viele Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung, obwohl der Wehrdienst noch gar nicht wieder aktiv wurde. 2.656 Menschen waren es allein im ersten Quartal – im gesamten Jahr 2025 waren es 3.867. Die Kriegsdienstverweigerung ist in Deutschland trotz ausgesetzter Wehrpflicht weiterhin ein Grundrecht.