Verteidigung

Europas Technologie-Kampf

Eine Studie des Thinktanks Bruegel zeigt: Europas Verteidigungsbeschaffung setzt auf große Rüstungskonzerne. Start-ups mit Drohnen-, KI- und Softwarelösungen erhalten nur einen kleinen Teil der Aufträge – trotz wachsender Bedeutung moderner Technologie
Nico Giese
Heute
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Die Art und Weise, wie sowohl rund um den Iran als auch in der Ukraine Krieg geführt wird – Stichwort: Drohnen, Laserwaffen und KI-Software – wirft die Frage auf, inwiefern Europa und besonders die Panzernation Deutschland im Kriegsfall technologisch mithalten könnte.

Der europäische Thinktank Bruegel hat sich in einer aktuellen Studie genau damit beschäftigt: der europäischen Verteidigungsbeschaffung.

Die Beschaffung in den EU-Staaten beschränkt sich trotz des Aufkommens europäischer Hightech-Unternehmen im Verteidigungssektor weiterhin auf etablierte Militärsysteme und große, etablierte Rüstungshersteller, heißt es in der Studie.

Das Problem daran: „Die neuen Technologien werden zunehmend von Start-up-Unternehmen und nicht mehr von etablierten Konzernen bereitgestellt.“ Um diese in das Verteidigungsökosystem zu integrieren, so die Autoren, müssten die Beschaffungspraktiken angepasst werden.

Aktuell bezieht sich die Rüstungsbeschaffung in ausgewählten europäischen Ländern primär auf die jeweils zehn größten Unternehmen. Weniger als 30 Prozent des gesamten Auftragsvolumens gehen an andere Firmen. Zum Vergleich: In den USA machen die zehn größten Rüstungsunternehmen einen deutlich geringeren Anteil aus, wodurch der Markt und die technologische Breite diversifizierter ist.

Eine Infografik mit dem Titel: Verteidigungstechnologie: Europa mit Aufholbedarf

Öffentliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich (2020 bis 2024), in Milliarden US-Dollar

Und auch die öffentlichen Ausgaben in Forschung und Entwicklung im Verteidigungsbereich lassen zu wünschen übrig. Während die USA zwischen 2020 und 2024 mehr als 500 Milliarden Dollar investiert haben, waren es in der EU weniger als 50.

Die Schlussfolgerung:

Die europäischen Beschaffungspraktiken im Verteidigungsbereich müssen sich weiterentwickeln, um innovative Start-ups und kleine Unternehmen einzubeziehen. […] Innovationen und neue Technologien müssen bei der militärischen Beschaffung eine größere Rolle spielen, um sicherzustellen, dass die europäischen Streitkräfte Zugang zu moderner Technologie haben, die für die moderne Kriegsführung unerlässlich ist.

Im Klartext: Wenn eine 30.000 Euro teure Drohne einen millionenteuren Panzer auslöschen kann, darf die Schlussfolgerung nicht sein: Wir brauchen mehr Panzer.

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