Das Geheimnis ist gelüftet: Fünf Jahre nach ihrem letzten Amtstag und über ein Jahr nach der Entscheidung ist der Name des Künstlers öffentlich geworden, der die Kanzlerin porträtieren soll. Links von Gerhard Schröder und Helmut Kohl wird im Erdgeschoss des Kanzleramts demnächst Angela Merkel zu sehen sein – gemalt von Jérémie Queyras.
Viele hatten über eine Malerin spekuliert, vielleicht auch eine Ostdeutsche. Nun ist es ein 28-jähriger deutsch-französischer Maler, der die Bundeskanzlerin a. D. porträtieren darf.
Jérémie Queyras, 10.05.2026 © Instagram/jeremiequeyras1997 in der Nähe von Paris geboren, wuchs Queyras in einer Künstlerfamilie in Freiburg auf. Er studierte Kunst in Paris und London und beschäftigt sich neben der klassischen Malerei auch mit dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Kunst. Mit interdisziplinären Performance-Aktionen – im wallonischen Namur etwa malte er live auf eine große Leinwand, während Musiker auf Cello, Bratsche und Geige spielten – gewann er bereits Preise.
Bei einem Musikfestival in London wird er dieses Jahr noch mit einer solchen Performance auftreten, seine Malereien wurden schon in Paris und New York ausgestellt – allerdings in kleineren Galerien. Sein Name, und das wird sich nun schlagartig ändern, ist in der Kunstwelt noch weitgehend unbekannt.
Jérémie Queyras und der Cellist Pierre Fontenelle bei einer Performance im wallonischen Namur, 03.10.2025 © Jérémie Queyras 2026An Angela Merkel schrieb er 2022 auf Drängen einer begeisterten Kundin einen handschriftlichen Brief, in dem er ein paar Kopien seiner Werke beilegte. Drei Jahre später trafen sich die beiden zum ersten Mal in Berlin. Es folgten über 20 weitere Treffen, teilweise begleitet von einem Journalisten der Zeit. In stundenlangen Sitzungen hätten sie sich über Kunst und Kultur unterhalten, heißt es.
Jérémie Queyras: Girl with Candle, 04.12.2025 © Instagram/jeremiequeyrasIn blauem Blazer wird die Kanzlerin a. D. auf dem Porträt zu sehen sein, so viel ist bekannt. In der kommenden Woche kann zunächst die Öffentlichkeit im Berliner Bode-Museum das Bild betrachten, erst danach kommt es ins Kanzleramt – allerdings nur als Leihgabe. So ganz möchte Merkel das erste offizielle Porträt ihres politischen Vermächtnisses offenbar nicht aus der Hand geben.